Eine Grüne Bürgermeisterin für Aying?

Neben der Frage, warum ich persönlich Bürgermeisterin werden möchte, stellen sich die Bürger*innen sicherlich die Frage, warum sie sich für mich entscheiden sollten. Wofür stehe ich und wie profitiert unsere Gemeinde davon?

Nach vier Legislaturperioden tritt unser aktueller Bürgermeister nicht mehr an. Viele Menschen werden das womöglich bedauern, doch ein Neuanfang ist immer auch eine Chance. Obwohl wir hier nach wie vor sehr gut leben, merken wir bei genauem Hinsehen, dass Dinge sich verändert haben. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger muss demzufolge mit neuen Herangehensweisen und frischen Ideen andere Lösungswege entwickeln, ohne dabei das zunichte zu machen, was bislang erreicht wurde.

Innerhalb meiner fünf aktiven Jahre im Gemeinderat gab es viele gute Entscheidungen, die ich gerne mitgetragen habe, es gab jedoch auch mehrmals Themen, die ich völlig anders angegangen wäre. Die meisten meiner Ideen für unsere Gemeinde, die ich bis heute entwickelt habe, stammen aus solchen Erfahrungen.

Drei Beispiele für veränderte Herausforderungen stelle ich kurz vor:

Individualverkehr vs. umweltfreundliche Mobilität

Unser Gemeindegebiet hat 19 Ortsteile, ohne Auto wird es auch in Zukunft bei uns kaum gehen. Dennoch leiden die Menschen v.a. entlang der Staatsstraße an dem permanent zunehmenden Verkehrsaufkommen, sei es durch Lärm, Abgase, zugeparkte Straßen und ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Völlig wertfrei und ohne Schuldzuweisung muss man festhalten, dass der innerörtliche Verkehr Hauptverursacher dieser Probleme ist. Wir können uns als Gemeinde deshalb nicht länger darauf ausruhen, dass vielleicht in 25-30 Jahren eine Umgehungsstraße gebaut wird, sondern wir brauchen schnellere Lösungen dort, wo Verkehr entsteht: in unserer Gemeinde. Darum müssen wir Angebote schaffen, die es den hiesigen Bürger*innen erleichtern, sich umweltfreundlich und platzsparend fortzubewegen, um wieder mehr Lebensqualität zurückzugewinnen. Mietsysteme, Mitfahrgelegenheiten, Shuttleservices u.v.m. – all das könnte auf Praktikabilität getestet und ggf. eingeführt werden.

Wohnungsnot vs. Flächenversiegelung

Wie in allen Umlandgemeinden von München nimmt der Bedarf an Wohnraum zu. Doch was bedeutet das für eine ländliche Gemeinde wie Aying? Der neue Flächennutzungsplan, den der jetzige Gemeinderat noch auf den Weg gebracht hat, ist ein solides Grundgerüst für eine zukunftsorientierte Planung. Dennoch bleibt die Frage, wie wir es unseren eigenen Nachkommen ermöglichen, in ihrer Heimat zu bleiben. Wie wollen wir passende Wohnformen für unsere vielleicht pflegebedürftigen Eltern schaffen und wie wollen wir gleichzeitig der gestiegenen Nachfrage von außen begegnen, ohne den dörflichen Charakter von Aying aufzugeben? Um diesen Spagat zu meistern, sollten wir uns öfter an guten Beispielen in anderen Kommunen orientieren. Angefangen beim Erstellen eines Leerstands-Katasters über eigene, kommunale Wohnbaugesellschaften bis hin zum Erstellen einer Satzung für sozialgerechte Bodennutzung – Anregungen gibt es zahlreich, doch was davon zu Aying passt, müssen wir in den kommenden Jahren herausarbeiten.

Verantwortungsübertragung vs. Mitwirkung

Die wenigsten Menschen wollen sich tagtäglich mit den politischen Erfordernissen um sie herum beschäftigen, darum geben sie bei der Kommunalwahl ihre Stimmen denjenigen Personen, von denen sie sich für die Dauer von weiteren sechs Jahren am besten vertreten fühlen. Allerdings ist immer öfter zu spüren, dass alleine die Übertragung der Verantwortung nicht mehr ausreicht, zu groß sind teilweise die Herausforderungen, zu weitreichend die Entscheidungen für die*den einzelnen. Darum brauchen wir in Zukunft mehr Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten für unsere Bürger*innen auch außerhalb von Wahlen. Anstehende Veränderungen müssen früher und offener kommuniziert werden, verschiedenste Gruppierungen müssen sich einbringen können und Gehör finden.

Als Mutter von drei Kindern, als fest verwurzelte Gemeindebürgerin und als ökologisch verantwortungsbewusst handelnder Mensch habe ich sehr vielseitige Erfahrungen, die mir helfen, in unserer Gemeinde an den neuen zukunftsweisenden Antworten zu arbeiten und gleichzeitig die Dinge zu bewahren, die unsere Gemeinde so wertvoll für uns machen.

Bild: in Kleinhelfendorf (Fotograf: Andreas Gregor)