Leben in der Gemeinde Aying

Kindheit und Jugend

Im Winter 1969/70 zogen meine Eltern mit mir nach Dürrnhaar. Hier verbrachte ich eine unbeschwerte Kindheit mit vielen Freundinnen und Freunden. Wir spielten auf der Straße, bauten uns Lager am Waldrand oder erkundeten die Umgebung mit dem Fahrrad.

Eingeschult wurde ich in Höhenkirchen, wo meine Mutter einen Schreibwarenladen hatte. Ab 1978 war ich am Ottobrunner Gymnasium, das ich sechs Jahre später mit der mittleren Reife verließ.

Als Jugendliche blieb mein Lebensmittelpunkt Dürrnhaar und Umgebung. Sehr gerne war ich mit dem örtlichen „Burschen“-Verein unterwegs und besuchte zahlreiche Feste. Das Maibaum-Aufstellen 1981 war eines der schönsten Ereignisse in dieser Lebensphase.

Ausbildung und Beruf

Nach der 10. Klasse Gymnasium machte ich eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau bei Kaut-Bullinger & Co in München. Im Anschluss daran habe ich an der Berufsoberschule für Wirtschaft noch mein Abitur gemacht.

Ein darauf folgendes Jura-Studium endete bereits nach drei Semestern mit der Geburt meiner Tochter Stefanie, weil es damals keine Betreuungsplätze für Kinder unter drei und länger als bis 13:00 Uhr gab.

Nachdem Stefanie 1995 in den Kindergarten kam, begann ich, im familiären Betrieb, dem Schreibwarengeschäft, zu arbeiten und damit mein Auskommen zu sichern.

Erst 2009, mit knapp 41 Jahren, begann ich an der Fernuni Hagen ein Psychologie-Studium in Teilzeit, parallel zu meiner Arbeit. Das finanzielle Einkommen musste schließlich gesichert sein, denn ich musste die Miete meiner Wohnung in Dürrnhaar bezahlen und meine 2002 geborenen Zwillinge Frank und Nico versorgen.

Ende 2010 verließ ich das Geschäft meiner Mutter und wechselte in ein Online-Unternehmen. Diese Stelle gab mir mehr zeitliche Freiheiten, um Arbeit und Studium vereinbaren zu können. Im Frühjahr 2016 machte ich nach sieben Jahren meinen erfolgreichen Abschluss als „Bachelor of Science“ in Psychologie und wechselte erneut meinen Arbeitsplatz.

Heute arbeite ich im Bayerischen Landtag als wissenschaftliche Referentin und persönliche Mitarbeiterin für einen Landtagsabgeordneten mit Schwerpunkt „Bildung“.

Politische Entwicklung

Mein letztes Schuljahr am Ottobrunner Gymnasium war die Zeit der Anti-Atom-Demonstrationen und Friedens-Appelle.

Am 26. April 1986 kam es zur nuklearen Katastrophe von Tschernobyl. Ich war knapp 18 Jahre alt, mein kleiner Bruder gerade mal fünf. Sämtliche Milchprodukte in Bayern waren daraufhin radioaktiv belastet, vom Verzehr wurde abgeraten. Wir fuhren deshalb im Urlaub zum ersten Mal nach Spanien, wo wir zwei Wochen lang wieder Joghurt, Käse und Butter mit Genuss essen konnten.

Diese Eindrücke machten mich zu einer konstanten „Grünen-Wählerin“ und als Konsequenz – wenn auch erst viel später – zum Parteimitglied.

Als meine Zwillinge im Herbst 2008 eingeschult wurden, musste ich einen Gastschulantrag in Höhenkirchen stellen, da ich als alleinerziehende Mutter ein verbindliches Ganztagsangebot benötigte, das nur dort angeboten wurde. Ich engagierte mich vier Jahre lang im dortigen Elternbeirat und wurde mehr und mehr zu einer Kritikerin unseres Schulsystems (was ich auch heute noch bin).

Außerhalb der Schule solidarisierte ich mich mit Menschen meines Ortes, wurde Gründungsmitglied einer Bürgerinitiative. Ziel: mehr Lebensqualität in Dürrnhaar und frühzeitige Einbeziehung der Bürger*innen in gemeindliche Entscheidungsprozesse. Dabei habe ich sehr viel gelernt. Zum Beispiel, wie wichtig es ist, sich zu einem Sachverhalt mehrere Perspektiven anzuhören, bevor man ein Urteil fällt und, dass es wichtig ist, dass sich Menschen in der Gemeinde engagieren.

Ich wurde mehrfach angesprochen, als Gemeinderätin bei der Kommunalwahl 2014 zu kandidieren. Mich reizte diese Herausforderung vor allem deshalb, weil ich die kommunalpolitischen Entscheidungsprozesse verstehen und sie im Rahmen meiner Möglichkeiten für die Bevölkerung zugänglich machen wollte. Deshalb gründete sich am 5.11.2013 der erste Grüne Ortsverband in Aying, wo ich die optimale Unterstützung für meine Kandidatur fand.

Die Wahl im März 2014 brachte den kaum für möglich geglaubten Erfolg (13,9%) und ich zog als eine von zwei Grünen in den Ayinger Gemeinderat ein.

Bis heute bin ich eine von zwei Sprecherinnen der Ayinger Grünen, bin seit 2017 Mitglied im Vorstand des großen Kreisverbandes München-Land und arbeite seit 2016 im Landtag bei der Fraktion von Bündnis 90/die Grünen an der Seite eines Abgeordneten.

Innerhalb der Gemeinde rief ich die Ayinger 29++-Klimaschutzinitiative ins Leben, half ab November 2015 aktiv bei der Aufnahme von Geflüchteten und informiere seit Beginn der letzten Legislaturperiode per E-Mail regelmäßig über aktuelle Themen aus den Gemeinderatssitzungen.

Seit Mai 2020 sind wir vier Grüne Gemeinderatsmitglieder, nachdem wir uns bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 auf 22,1% gesteigert haben. Und auch unser Ortsverband ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Alles in allem darf ich also auf eine Grüne Erfolgsgeschichte in Aying zurückblicken, die ich auch in Zukunft voller Leidenschaft weiterführe.

Bild: v.l. Sohn Nico Squarra, ich, Tochter Stefanie Squarra, Sohn Frank Squarra (Foto: privat)