Leben in der Gemeinde Aying

Kindheit und Jugend

Im Winter 1969/70 zogen meine Eltern mit mir nach Dürrnhaar. Hier verbrachte ich eine unbeschwerte Kindheit mit vielen Freundinnen und Freunden. Wir spielten auf der Straße, bauten uns Lager am Waldrand oder erkundeten die Umgebung mit dem Fahrrad.

Das von meiner Mutter im Dezember 1971 eröffnete Schreibwarengeschäft in Höhenkirchen brachte mit sich, dass ich auch dort in den Kindergarten und später in die Grundschule ging. Die Bindungen zu meinen „Sandkasten“-Freudinnen blieben in dieser Zeit jedoch bestehen und während der Jahre am Ottobrunner Gymnasium kamen neue Freundschaften im Ortsteil Aying hinzu. Was ich an der Schule nicht gelernt hatte, lernte ich spätestens dort: Dialekt und Brauchtum.

Als Jugendliche blieb mein Lebensmittelpunkt Dürrnhaar und Umgebung. Feste gab es in unserer Gemeinde und den Nachbarortschaften zahlreich und ich half außerdem immer öfter im örtlichen „Burschen“-Verein mit. Das Maibaum-Aufstellen 1981 war eines der schönsten Ereignisse in dieser Lebensphase.

Ausbildung und Beruf

Nach der 10. Klasse Gymnasium machte ich eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau bei Kaut-Bullinger & Co in München. Im Anschluss daran habe ich allerdings an der Berufsoberschule für Wirtschaft doch noch mein Abitur gemacht.

Ein darauf folgendes Jura-Studium endete bereits nach drei Semestern mit der Geburt meiner Tochter Stefanie. Die Möglichkeiten, mit einem noch sehr kleinen Kind zu studieren und länger als bis 13:00 Uhr mittags einen Betreuungsplatz zu finden, waren zu dieser Zeit so gut wie nicht gegeben.

Nachdem Stefanie 1995 in den Kindergarten kam, nahm ich dankbar die Möglichkeit wahr, im familiären Betrieb, dem Schreibwarengeschäft, zu arbeiten und damit mein Auskommen zu sichern.

Erst 2009, mit knapp 41 Jahren, schlug ich den Weg eines Studiums wieder ein und begann an der Fernuni Hagen ein Psychologie-Studium in Teilzeit. Für mich bedeutete das, tagsüber zu arbeiten und abends sowie an den Wochenenden zu lernen. Das finanzielle Einkommen war zu dieser Zeit wichtiger denn je, es galt, die Miete meiner Wohnung in Dürrnhaar zu bezahlen und meine 2002 geborenen Zwillinge Frank und Nico zu versorgen.

Ende 2010 verließ ich das Geschäft meiner Mutter und wechselte in ein Online-Unternehmen. Diese Stelle gab mir mehr zeitliche Freiheiten, um Arbeit und Studium vereinbaren zu können. Im Frühjahr 2016 machte ich nach sieben Jahren meinen erfolgreichen Abschluss als „Bachelor of Science“ in Psychologie und wechselte erneut meinen Arbeitsplatz.

Heute arbeite ich im Bayerischen Landtag als wissenschaftliche und persönliche Mitarbeiterin für einen Landtagsabgeordneten mit Schwerpunkt „Bildung“.

Politische Entwicklung

Mein letztes Schuljahr am Ottobrunner Gymnasium war die Zeit der Anti-Atom-Demonstrationen und Friedens-Appelle. Bewusstsein und Sensibilität für die negativen Veränderungen in unserer Umwelt wurden dadurch bei mir maßgeblich geprägt.

Am 26. April 1986 kam es zur nuklearen Katastrophe von Tschernobyl. Ich war knapp 18 Jahre alt, mein kleiner Bruder gerade mal fünf. Sämtliche Milchprodukte in Bayern waren daraufhin radioaktiv belastet, vom Verzehr wurde abgeraten. Wir fuhren deshalb im Urlaub zum ersten Mal nach Spanien, wo wir zwei Wochen lang wieder Joghurt, Käse und Butter mit Genuss essen konnten.

Diese Eindrücke machten mich zu einer konstanten „Grünen-Wählerin“ und als Konsequenz – wenn auch erst viel später – zum Parteimitglied.

Als meine Zwillinge im Herbst 2008 eingeschult wurden, musste ich einen Gastschulantrag in Höhenkirchen stellen, da ich als alleinerziehende Mutter ein verbindliches Ganztagsangebot benötigte, das nur dort angeboten wurde. Ich begann darüber nachzudenken, wie es politisch machbar wäre, auch anderen Eltern und Kindern in ähnlichen Situationen ein passendes Bildungsangebot zu machen.

Als Mitglied im Elternbeirat versuchte ich außerdem, zu einem gelingenden Ganztagsangebot beizutragen, indem ich mich sowohl auf der Ebene der Gemeinde (Finanzierung und Neubau), der Schule (Gestaltung der Zusatzstunden, Mittagessen) und der Klasse (Elternstammtisch, Ausflüge) engagierte.

Außerhalb der Schule solidarisierte ich mich mit Menschen meines Ortes, die als direkte Anwohner*innen eines erweiterten Kiesabbaugebietes die Hauptleidtragenden dieser Genehmigung werden würden und wurde Gründungsmitglied einer Bürgerinitiative. Ziel: mehr Lebensqualität in Dürrnhaar und frühzeitige Einbeziehung der Bürger*innen in gemeindliche Entscheidungsprozesse. Dabei habe ich sehr viel gelernt. Zum Beispiel, wie wichtig es ist, sich zu einem Sachverhalt mehrere Perspektiven anzuhören, bevor man ein Urteil fällt.

In dieser Zeit wurde ich mehrfach angesprochen, als Gemeinderätin bei der Kommunalwahl 2014 zu kandidieren. Mich reizte diese Herausforderung vor allem deshalb, weil ich die kommunalpolitischen Entscheidungsprozesse verstehen und sie im Rahmen meiner Möglichkeiten für die Bevölkerung zugänglich machen wollte. Deshalb gründete sich am 5.11.2013 der erste Grüne Ortsverband in Aying, wo ich die optimale Unterstützung für meine Kandidatur fand.

Die Wahl im März 2014 brachte den kaum für möglich geglaubten Erfolg (13,9%) und ich zog als eine von zwei Grünen in den Ayinger Gemeinderat ein.

Bis heute bin ich eine von zwei Sprecherinnen der Ayinger Grünen, bin seit 2017 Mitglied im Vorstand des großen Kreisverbandes München-Land und arbeite seit 2016 im Landtag bei der Fraktion von Bündnis 90/die Grünen an der Seite eines Abgeordneten.

Innerhalb der Gemeinde rief ich die Ayinger 29++-Klimaschutzinitiative ins Leben, half ab November 2015 aktiv bei der Aufnahme von Geflüchteten und informiere seit Beginn der letzten Legislaturperiode per E-Mail regelmäßig über aktuelle Themen aus den Gemeinderatssitzungen.

Bild: v.l. Papa Rudolf Squarra, Tochter Stefanie Squarra, Sohn Nico Squarra, ich, Sohn Frank Squarra, Mama Eva Squarra (Fotograf: Christian Rehm)