Bewerbung als Beisitzerin im Kreisvorstand

Satzungsgemäß wird am 7. Oktober 2020 im Bürgerhaus Pullach der Vorstand des Grünen Kreisverbandes München-Land neu gewählt. Wahlberechtigt sind alle Grünen Mitglieder, die im Landkreis München gemeldet und am Wahlabend anwesend sind. Wichtig ist dafür, sich vorher anzumelden: https://gruene-ml.de/seminare/kreisversammlung-im-oktober-vorstandswahl/

Seit drei Jahren bin ich Mitglied im Kreisvorstand und ich möchte mich dort gerne auch weiterhin einbringen. Allerdings gibt es für sechs Plätze als Beisitzer*in acht Bewerbungen. Ich freue mich deshalb sehr über Eure Unterstützung.

Lest Euch gerne meine Bewerbung durch und schenkt mir am 7.10. Euer Vertrauen – herzlichen Dank! Eure Christine

Bewerbung: https://gruene-ml.de/wp-content/uploads/2020/09/2020_Christine_Squarra_Bewerbung_Beisitz.pdf 

Ort und Zeit: Bürgerhaus Pullach, Heilmannstraße 2, 82049 Pullach (an der S7, 5 Gehminuten vom Bahnhof), ab 19:30 Uhr.

 

Dürrnhaar, 3. Oktober 2020

Bild: privat


Im Osten viel Neues – ein Reiserückblick

Mehr als 14 Tage ist es bereits her, seit ich von meiner Reise durch Sachsen und Brandenburg zurückgekehrt bin. Davor habe ich in meinem Reiseticker regelmäßig berichtet, was ich erlebt habe, doch erst jetzt kann ich festhalten, welche Nachwirkungen dieser Urlaub bei mir hat.

Vorweg nehmen kann ich, dass es sich lohnt, unser Land besser kennenzulernen und dass ich viele Dinge erst dadurch verstanden habe, dass ich sie selbst gesehen, gehört und erlebt habe.

Der rote Faden, der sich bis auf wenige Ausnahmen durch meine Reiseroute gezogen hat, war die Grenznähe zu Tschechien und Polen, angefangen in Flossenbürg in der Oberpfalz, über das Vogtland bis in die brandenburgische Grenzstadt Guben. Ich wollte herausfinden, warum mich immer wieder der Eindruck beschleicht, dass wir nach über 30 Jahren Mauerfall nach wie vor eine unsichtbare innerdeutsche Grenze in unseren Köpfen haben.

Meine Rückschau ist deshalb auch keine chronologische, sondern es sind unterschiedliche Aspekte, die mich beeindruckt, fasziniert, erschreckt oder mich zum Nachdenken gebracht haben: die Menschen, insbesondere meine Grünen Parteifreund*innen, die Natur sowie deren Zerstörung, die Infrastruktur am Land, die Städte, die Politik.

Grün trifft Grün

Andrea

Es war die herausragende Erfahrung dieser Reise – meine Begegnungen mit anderen Grünen Mitgliedern. Bis auf Andrea, die mich gleich in meiner ersten Nacht in Bärnau (Oberpfalz) beherbergt und bekocht hat, kannte ich vorher niemanden.

 

Gleich am zweiten Tag traf ich in Plauen Steffi Müller-Klug und Gerhard Liebscher. Gerhard vertritt die sächsischen Grünen im Landtag, Steffi leitet sein Regionalbüro in Plauen und kümmert sich obendrein um den dortigen Kreisverband.

Nach einem gemeinsamen Mittagsessen zeigte mir Steffi die Stadt, insbesondere das Viertel rund um die Weberhäuser, anschließend saßen wir noch im Grünen Büro zusammen und tauschten uns über unsere politische Arbeit aus.

Steffi

Gerhard

Knapp eine Woche später traf ich in Zittau Horst Schiermeyer und seiner Frau Rose. Horst stellte mir für drei Nächte eine kleine Studio-Wohnung in seinem Haus zur Verfügung – mit Familienanschluss J. Horst weiß unglaublich viel, mit ihm wurde es keine Sekunde langweilig und es gab keine Frage, die er nicht beantworten konnte. Im Gegenteil, am ersten Tag meines Aufenthaltes machte er mit mir eine Rundfahrt in die nähere Umgebung von Zittau bis ins Zittauer Gebirge, und was ich alleine in diesen Stunden alles gesehen und erfahren habe, würde viele Seiten füllen.

Horst

Am Abend hat er mich dann noch mitgenommen zu einem Treffen der Zittauer Grünen, bei dem es vor allem um den benachbarten polnischen Kohle-Tagebau Turow ging, den ich tagsüber bereits mit eigenen Augen gesehen hatte.

Am nächsten Morgen traf ich mich mit Matthias Böhm, dem einzigen Grünen Stadtrat in Zittau. Wir haben gemeinsam die Stadt erkundet und über Kommunalpolitik geredet. Zittau hat zwar mit ca. 25.000 Einwohner*innen eine ganz andere Struktur wie die Gemeinde Aying, dennoch gibt es insbesondere im Baurecht gemeinsame Themen. Und beim ÖPNV – dem Spezialthema von Matthias.

Beim Abschied von Zittau habe ich von Horst noch eine wichtige Adresse aus Görlitz mitbekommen, nämlich von Annett Jagiela, die im Herbst 2021 für die Grünen als Bundestagskandidatin antritt. Aktuell ist sie Vorsitzende des Görlitzer Kreisverbandes und Mitarbeiterin der Landtagsabgeordneten Franziska Schubert. Sie gab mir am Telefon den Tipp, am Abend meines Eintreffens zum Treffen der Görlitzer Grünen zu gehen, das zufällig genau an diesem Tag stattfand.

Dort traf ich Jana Krauß, eine von drei Grünen Stadträt*innen in Görlitz. Während es an diesem Abend in erster Linie um die Möglichkeit einer autofreien Innenstadt ging, redeten wir einen Tag später in ihrem Antiquariat mit Buchhandel (Art Goreliz, http://www.art-goreliz.de) über ihre Stadtratstätigkeit.

Jana (links) und Annett (rechts)

Annett traf ich dann am Nachmittag, als sie mich zu einer Demonstration gegen die Erweiterung eines landwirtschaftlichen Großbetriebes mitnahm.

Für meine nächste Station, Weißwasser, hatte Annett dann noch einen ganz genialen Tipp für mich.

Norman und Susan

Norman, ein Grüner aus Weißwasser, seine Frau Susan und der 2-jähriger Sohn empfingen mich sehr herzlich und obwohl wir uns noch nie vorher gesehen hatten, stellten sie mir für die kommende Nacht ihr Gästezimmer zur Verfügung. Tags drauf wurde ich nach dem Frühstück von der ganzen Familie sogar noch zu meinem Ausgangspunkt am Neißeweg gebracht. Mir kam es vor, als würden wir uns bereits lange kennen, nicht erst seit 24 Stunden, und der Abschied fiel mir prompt schwer…

Um es in einem Satz zusammenzufassen: ich habe noch nie ganz spontan so viele hilfsbereite, gastfreundliche und nette Menschen kennengelernt wie in diesem Urlaub!

Natur – unberührt vs. zerstört

In den Grenzregionen des Vogtlandes, des Erz- und Zittauer Gebirges finden Naturliebhaber*innen wahre Paradiese. Fernwanderwege wie der Vogtland-Panoramaweg oder der Kammweg führen durch nahezu unberührte Landschaften, wie das Naturschutzgebiet „Schwarzwassertal“, durch Hochmoore, Birken und Vogelbeer-Wälder. Etwas bergig ist es hier auch, aber eben in Maßen und deshalb auch für Nicht-Alpinist*innen problemlos zu erwandern. Felsformationen wie die Kelchsteine beeindrucken allerdings auch so manche*n Kletterfreund*in

Vogtland-Panorama-Weg

Wandern im Grenzgebiet zu Tschechien

 

Blick auf Klingenthal

 

 

 

 

 

 

 

Kammweg

Kristyna-See

An heißen Tagen bieten der Kristyna-See in Tschechien und der Olbersdorfer See bei Zittau Badespaß und fast schon südländische Urlaubs-Atmosphäre. Man vergisst fast, dass es sich um geflutete ehemalige Kohleabbau-Gruben handelt. Großzügige Uferstreifen sind dem Naturschutz vorbehalten und dürfen nicht betreten werden.

Neißeweg

Insbesondere im südlichen Teil führt der Neiße-Rad- und Fußweg durch naturbelassene Mischwälder, die immer wieder von Bächen, Wiesen, Feldern und ab und zu kleinen Ortschaften unterbrochen sind. In Blicknähe immer der Grenzfluß Neiße.

Doch natürlich trifft man nicht überall auf eine ungetrübte Idylle. Insbesondere der Kohleabbau hat große Flächen in Mondlandschaften verwandelt und hässliche Wunden in die Landschaft gerissen. Ein großer Teil des CO2s, das unserem Klima so zu schaffen macht, wird hier in die Luft geblasen – ohne Pause, Tag für Tag.

Zwei Mal war ich in diesem Urlaub an solchen Orten, wo der Rohstoff für die klimaschädliche Kohleverstromung abgebaut wird. Das eine Mal in Turow, einem polnischen Tagebau direkt an der Grenze zu Tschechien und Deutschland. Das zweite Mal im Süden von Weißwasser, beim Tagebau Nochten, einem von mehreren Abbaugebieten in der Lausitz.

Tagebau Turow

Die besondere Brisanz bei Turow ist die Rücksichtslosigkeit der polnischen Regierung, die noch ohne Genehmigung einen weiteren Kraftwerksblock duldet und die erforderlichen Stellungnahmen der Nachbarländer gar nicht erst abwartet. Letztlich können diese auch nicht viel ausrichten, denn Polen hat ohnehin nicht vor, so schnell aus der Kohlekraft auszusteigen. Die Genehmigung des Betriebs von Turow soll bis 2044 verlängert werden.

 

Kraftwerk Turow mit dem noch ungenehmigten Block ganz links

Tagebau Turow

Allerdings klagt Tschechien nun gegen Turow, denn was viele nicht wissen: für den Kohle-Tagebau wird das Grundwasser abgepumpt und dadurch immer weiter abgesenkt. In den angrenzenden tschechischen Dörfern ist der Grundwasserspiegel mittlerweile um 40m(!) abgesunken, die Häuser zeigen Risse, weil sich der Untergrund absenkt und die Wasserversorgung wird immer schwieriger. Auch deshalb kam es vor wenigen Wochen zu einer großen Protestaktion u.a. von den europäischen Grünen und Greenpeace.
https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2020/08/Protestaktion-gegen-die-Verlaengerung-und-den-Ausbau-des-Braunkohletagebaus-Turow-345348

Sogar die Süddeutsche Zeitung hat davon berichtet:
https://www.sueddeutsche.de/politik/umwelt-dem-aerger-so-nah-1.5013393

https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/protest-dreilaendereck-tagebau-turow-100.html

Der in einem etwas älteren Bericht über Turow erwähnte „Horst Schiermeyer“ ist jener Horst, bei dem ich drei Nächte lang wohnen durfte und der mir das alles gezeigt hat:
https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/kohle-polen-turow-tagebau-kraftwerk-protest-100.html

Da mag es vielleicht tröstlich erscheinen, dass Deutschland den Kohleausstieg „schon“ für 2038 angekündigt hat, doch wenn man an Abbaugebieten wie dem Tagebau Nochten bei Weißwasser entlanggeht, ist diese Vorstellung im Prinzip genauso erschreckend. Weitere 18 Jahre soll das so weitergehen?

Aussichtsturm „am schweren“ Berg“ beim Tagebau Nochten

Dennoch haben ausgerechnet hier die Kohle-Gegner*innen nicht sehr viele Sympathisant*innen. In der Lausitzer Tagebau-Gegend, die sich von Sachsen bis Brandenburg erstreckt, leben viele Menschen, die in dem Kohleabbau vor allem Vorteile sehen – für die Wirtschaftskraft der Region und für den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Diese Erkenntnis traf mich spätestens dann, als ich direkt am Rande des Tagebaus Nochten auf einen Aussichtsturm, einen kilometerlangen Radweg und eine weitere Aussichtsplattform stieß. Die LEAG (Lausitzer Energie- und Bergbau AG) geht damit in die Offensive und lockt dadurch vor allem den wohlgesinnten Kohletourismus an. So, wie kleine Kinder am Rande von Baustellen

Wasserpumpe am Tagebau Nochten

stehen und die Bagger bestaunen, stehen hier ganze Familien. Voller Begeisterung erklären v.a. Väter ihren Kindern die großen Kohlebagger, die Förderanlagen, die Wasserpumpen und wie LKWs und Züge den Abtransport ins nahegelegene Kraftwerk bewältigen. Es sind fröhliche Familienausflüge, bei denen schon die Kinder lernen, worauf man hier stolz ist.

Tagebau Nochten

 

 

 

 

 

 

Tagebau Nochten

 

 

 

 

 

 

 

Ähnlich schwierig verhält es sich übrigens mit landwirtschaftlichen Großbetrieben und Massentierhaltung. Die Natur leidet an zu viel Gülle, das Klima an zu viel Methan und die Tiere an schlechten Haltungsbedingungen. Riesige Betonställe, zum Teil sicherlich Überbleibsel aus alten DDR-Betrieben, mit tausenden von Tieren haben mit den bäuerlichen Strukturen, wie wir sie in Bayern kennen, nichts mehr viel gemeinsam. Es geht v.a. um Fleisch als Massen- und Exportware, Tiere auf der Weide habe ich während der drei Wochen meiner Reise hingegen fast nirgends gesehen. Einen Blick in diese Ställe kann ohnehin niemand werfen, sie sind rundum meterhoch eingezäunt.

landwirtschaftlicher Großbetrieb in Herwigsdorf

Annett (rechts)

Mit Annett aus Görlitz war ich auf einer Demonstration gegen die Erweiterung eines großen Tierhaltungsbetriebes. Eine Bürgerinitiative wollte verhindern, dass die dortige Massentierhaltung aufgestockt wird. Doch der Betrieb namens Agrofarm ist dort auch ein großer Arbeitgeber und die meisten umliegenden, zum Teil auch dort angestellten Landwirt*innen fühlten sich durch die Kritik persönlich angegriffen. https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/milchviehanlagen-herwigsdorf-loebau-100.html

Es ist ähnlich wie beim Kohleabbau. In den umliegenden kleinen Dörfern gibt es kaum andere Arbeitsplätze als in diesen Großbetrieben, die vielen Menschen in den Dörfern das Auskommen sichern. Hier gegen eine Erweiterung zu demonstrieren kann leicht zum Spießrutenlauf werden, wie ich selbst erleben durfte.

Einige wenige Bio-Betriebe mag es auch hier geben, aber ich selbst bin leider an keinem vorbeigekommen.

Die Überzeugungsarbeit, welche die sächsischen Grünen bei Energie- und Agrarwende zu leisten haben, ist für uns Grüne in Bayern, fernab von diesen Strukturen, schwer vorstellbar. Diese Mammut-Aufgabe dürfen wir nicht alleine den Aktivist*innen vor Ort überlassen.

Stadt-Land-Dorf

Dresden

Viel Geld ist bereits in die östlichen Bundesländer geflossen um die dortige Infrastruktur, die Städte und Dörfer zu beleben und zu sanieren. Doch während große Städte wie Dresden dank dieser Unterstützung heute von westlichen Städten kaum zu unterscheiden sind und mit wunderbar restaurierten alten Gebäuden aufwarten können, gingen viele Dörfer und kleinere Städte fast leer aus. Diese Kommunen können den Sanierungsbedarf finanziell kaum stemmen und müssen sich selbst etwas einfallen lassen, um ihre Stadt dennoch lebenswert erhalten.

 

sanierte Häuser in Olbernhau

… und nicht-sanierte Häuser in Hirschfelde.

 

 

 

 

 

 

 

Von Weltkriegs-Bomben zerstörte Brücke bei Forst

„Pizzeria“ und …

… verwaister Marktplatz in Bad Brambach.

 

 

 

 

 

 

 

Naherholungsort Oybin …

… Naherholungsort Müllrose.

 

 

 

 

Ein Problem sind historische innerstädtische Gebäude, die nach der Wende günstig von Privatleuten erworben wurden und nun verfallen, weil die Eigentümer*innen entweder kein Geld oder kein Interesse mehr an einer Sanierung haben. Als Matthias mit mir in Zittau durch die innere Weberstraße ging, zeigte er mir deshalb die sogenannten Wächterhäuser.

Die Idee dazu kommt ursprünglich aus Leipzig: http://www.haushalten.org und https://www.leipzig.de/bauen-und-wohnen/stadterneuerung-in-leipzig/stadterneuerungsprojekte/waechterhaeuser/

Skater-Laden in einem Wächterhaus (Zittau)

In alten leerstehenden Häusern werden z.B. Projekte aus den Bereichen Kunst und Soziales, aber auch kleine Läden angesiedelt, die keine oder kaum Miete bezahlen, dafür jedoch die Häuser vor dem völligen Verfall bewahren und die nötigsten Ausbesserungsarbeiten übernehmen. In Zittau gibt es bislang drei solcher Häuser, um deren Vermittlung sich ein eigens dafür gegründeter Verein kümmert, in dem Matthias Mitglied ist. Gemeinsam mit ihm war ich dann auch in einem kleinen Skater-Laden mit Reparatur-Service. Nicht selten sind derartige Projekte und Läden Treffpunkte für junge Menschen mit Lust auf Veränderung und progressiven Ideen. Mir gefällt diese Initiative.

Abseits der Städte geht die teilweise noch unberührte Natur über in kleine einsame Ortschaften. Insbesondere auf den beiden Fernwanderwegen im Süden Sachsens habe ich meist stundenlang keine anderen Menschen getroffen. Ideal für Urlauber*innen, die Ruhe suchen, doch wie ist es für diejenigen, die dort leben?

In einer Gegend, in der es kaum ÖPNV gibt, oder wo ein Internetanschluss noch Luxus ist, von freiem WLAN mal ganz zu schweigen. Zwar funktioniert in den Ortschaften meist das Mobilfunknetz, aber kaum lässt man die Ortsschilder hinter sich, befindet man sich im netzfreien Raum. Höhere Schulen sind weit entfernt, Freizeitangebote für Jugendliche gibt es kaum, ebenso wenig wie Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten. Braune, heruntergekommene Häuser und leerstehende Läden säumen die unbelebten Straßen. Nur einige wenige haben sich den Wander-Tourismus zunutze gemacht und betreiben eine Pension mit gleichzeitiger Gastronomie.

Bäckerei in Satzung (Erzgebirge)

An der Hauptstraße in Satzung (Erzgebirge)

 

 

 

 

 

 

 

 

Satzung im Erzgebirge

Görlitz

Industrie-Ruine in Guben

 

 

 

 

 

 

 

Während in Städten wie Görlitz belebte Straßen und schöne alte Häuser das Stadtbild prägen, war von irgendeiner Aufbruch-Stimmung in vielen kleineren Orten nichts zu spüren. Dass so viele, insbesondere junge Menschen, dort weggezogen sind, hat mich nicht mehr gewundert.

Ostritz

Bahnhof Grunow

 

 

 

 

 

 

 

Renovierungsarbeiten … und als Aufheller ein Ginkobaum (Plauen)

Politik

Dass rechte Parteien, insbesondere die AfD, in östlichen Bundesländern weit mehr Zulauf haben als in westlichen, ist kein Geheimnis. Noch längst keine Einigkeit gibt es hingegen darüber, wie man damit am besten umgeht. Für die Grünen ist es jedenfalls eine enorme Herausforderung, mit einer AfD umzugehen, die z.B. in Görlitz mit 30,8% stärkste Kraft ist (zum Vergleich: die CDU hat dort 22%, stellt allerdings den Oberbürgermeister).

Auch mit Gerhard aus Plauen habe ich über den dortigen Rechtsradikalismus gesprochen. Umzüge des III. Wegs, teilweise auch ziemlich große, sind keine Seltenheit, im Plauener Stadtrat hat die AfD 20% und ist damit zweitstärkste Fraktion nach der CDU mit 23,7%. Doch auch der III. Weg hat mit 3,8% einen Sitz und macht damit die Rechten zur stärksten Kraft. Im sächsischen Landtag hat Gerhard ebenfalls mit der AfD zu tun: 27,5% und damit auch hier zweitstärkste Fraktion nach der CDU mit 32,1%. Die Grünen hingegen haben sowohl in Plauen als auch im Landtag jeweils 8,6%.

Rathaus Zittau – Sitzungssaal

Alles in allem habe ich im Laufe meiner Reise festgestellt, dass wir in Bayern mit einer ganz anderen Ausgangssituation Politik machen. Nicht nur die Zusammensetzung der Parlamente unterscheidet sich deutlich, auch für viele Grüne Themen gibt es bei uns in und um München bereits eine weit höhere Akzeptanz als in den Städten und Gemeinden Sachsens uns Brandenburgs.

Andererseits habe ich unglaublich viel Positives mitgenommen, ich habe tolle Projekte kennengelernt, unglaublich engagierte Politiker*innen getroffen, herzliche Gastfreundschaft erlebt, war in lebendigen, lebenswerten Städten und in wunderschöner Natur unterwegs. Mir persönlich hat sich ein ganzes Stück Deutschlands dadurch völlig anders präsentiert als erwartet und die innerdeutsche Grenze in meinem eigenen Kopf ist fast verschwunden. Ich freue mich jedenfalls schon, wenn ich das nächste mal Zeit habe, um in den Osten Deutschlands zu reisen.

Dürrnhaar, 22. September 2020

Fotos: privat


Reiseticker

Update! 4. September 2020, 17:00 Uhr, aus dem Zug.

Den gestrigen Abend verbringe ich bei letzten Sonnenstrahlen mit Anna, Silvia und dem kleinen Relio. Wir essen gemeinsam zu Abend und quatschen über Dieses und Jenes.

Heute Morgen, es ist Freitag und allgemeiner Aufbruch-Tag in der Jugendherberge, verabschieden wir uns herzlich. Über Grunow geht es nach Frankfurt (Oder), von wo aus ich wieder Anschluss an Regionalzüge in sämtliche Richtungen habe.

Ein letzter Blick auf den Bahnhof Grunow (Brandenburg, Schlaubetal)

Etwas enttäuscht bin ich von der Wettervorhersage für die Ostsee: bis auf einen Tag wird die ganze nächste Woche kühl und regnerisch. Kurzerhand disponiere ich um und suche mir ein neues Ziel.

Ich merke, dass ich meine letzte Woche am liebsten an einem festen Ort verbringen möchte, denn so viel habe ich schon gesehen und erlebt. Ich will nun auch noch ein paar Tage einfach nichts tun :-).

Ich beende deshalb hiermit meinen Reisebericht und schreibe in ein paar Tagen einen separaten und persönlichen Rückblick auf diesen für mich außergewöhnlichen Urlaub. Jetzt aber müssen sich die ganzen Eindrücke und Erinnerungen erst mal „setzen“.

Danke, dass Ihr alle mitgelesen und mir auch immer mal wieder dazu geschrieben habt. Auch das war eine sehr schöne Erfahrung ❤️!

Update! 3. September 2020, 16:30, vom „WLAN-Hotspot“ der JHB Bremsdorfer Mühle ;-).

Heute war ein „intuitiv-das-Richtige-gemacht“-Tag. Möglicherweise lag es an der netten Bekanntschaft mit Anna und ihrer Mama, die ebenfalls noch bis morgen hier sind, vielleicht aber auch an dem angekündigten schönen Wetter – jedenfalls habe ich nach dem gemeinsamen Frühstück beschlossen, noch einen Tag länger zu bleiben.

Mit dem Bus fahre ich nach Müllrose, einem hier bekannten Naherholungs-Ort am großen Müllroser See. Vom Ortszentrum aus gibt es einen herrlichen 9km langen Rundwanderweg um den See.

Müllrose ist anders als alle Orte, die ich bislang gesehen habe. Der Hauptteil des Dorfes besteht aus penibel ordentlich und sauber hergerichteten Einfamilienhäusern, die auf mich fast wie eine sterile Kulisse wirken.

Beliebtes Müllroser Vorgarten-Modell
Lieber viel Zufahrt als viel Garten(-arbeit)
Die Dichte der Rasenmäh-Roboter ist in Müllrose höher als in so manchem Gartencenter.
Aufgefallen ist mir auch das Denkmal zur Ehrung sowjetischer Kriegshelden.

Sobald ich die letzten Häuser allerdings hinter mir lasse, gewinnt sofort die Natur die Oberhand.

Vorbei an diesem kleinen Badestrand (der nachmittags auch gut besucht war) …
… führt nur noch ein schmaler Waldweg um den See.
Was für ein herrlicher Tag! Hier lässt es sich aushalten und ich bleibe sitzen, bis mein Bus geht.

Update! 2. September 2020, 21:00 Uhr, aus der Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“.

Mit dem Zug verlasse ich am frühen Vormittag Guben und fahre 18km nördlich nach Neuzelle. Das stand zwar nicht auf meinem Plan, wurde mir jedoch mehrfach empfohlen. Warum also nicht? Das dortige Kloster hat den Ort bekannt gemacht und unabhängig von jeglicher Religionszugehörigkeit ist es wirklich sehenswert.

Schon von Weitem ist das Kloster zwischen den Bäumen zu sehen.

Zum Kloster gehört auch die Neuzeller Brauerei, die das bekannte Bier „Schwarzer Abt“ herstellt. Ich nehme an einer Brauereiführung mit Verkostung teil. Gut! Aber Bier-Fan werde ich trotzdem nicht :-).

Am Nachmittag breche ich auf zu meiner Unterkunft „Bremsdorfer Mühle“, einer Jugendherberge im Schlaubetal.

Umstieg ist in Eisenhüttenstadt am ZOB. Vielleicht tue ich der Stadt Unrecht, aber ich bin froh, dass ich nach 30 Minuten Wartezeit die Stadt wieder verlassen darf.

Bewusst wird Eisenhüttenstadt als DDR—Planstadt erhalten. Identische Wohnblöcke mit genormten weißen Fensterrahmen und nur dezent wechselnder Fassadenfarbe bestimmen den Blick aus dem Busfenster auf allen Stationen. Also, ich werde davon trübsinnig. Mein Ziel ist deshalb das genaue Gegenteil. Die Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“.

Wer hier ankommt, steht total im Wald.
Doch nur wenige Meter und ich bin am Ziel.

Außer zwei Schulklassen treffe ich hier Anna, ihren zwei-jährigen Sohn und Silvia, ihre Mama. Zu dritt teilen wir uns eine Flasche Wein und verbringen einen netten Abend.

Update! 1. September 2020, 19:30 Uhr aus dem polnischen Lokal „Czarny Kot“ in Gubin.

Es ist ein Tag gemischter Gefühle. Nachdem der gestrige Abend im Ratskeller des Rathauses von Gubin zu Ende gegangen ist, beschließe ich, mir das polnische gegenüber von Guben heute näher anzusehen.

Abendessen im Ratskeller in Gubin.
Silhouette von Guben an der Neiße.

Zunächst jedoch bleibe ich im deutschen Teil „Guben“ und besuche am Vormittag das Rathaus und die dort beheimatete Stadtbibliothek. Hier könnte ich den ganzen Tag verbringen, doch den überwiegend sonnigen Vormittag nutze ich lieber für den geplanten Stadtrundgang in Gubin.

Eingangsbereich des Rathauses von Guben in der ehemaligen Hutfabrik.
Alle Bürger*innen von Guben können sich auf den Pflastersteinen vor dem Rathaus verewigen lassen.
Lesefreuden in der Stadtbibliothek

Ich habe Zeit und weite meinen Weg über den für Tourist*innen vorgesehenen alten Stadtkern aus.

Der erste Blick beim Betreten des polnischen Städtchens fällt auf ein modernes Einkaufszentrum und das schön restaurierte Rathaus. Doch nur wenige Meter dahinter ändert sich das Bild: alte, heruntergekommene Häuser, ein „vergessener“ Friedhof, vermüllte kleine Parkanlagen, Container-Hütten mit Friseursalons und Zoohandlungen. Einziger Lichtblick ist der Markt für Zigaretten, Obst, Gemüse, Süßigkeiten und Blumen. Die Lebensmittel sehen äußerst appetitlich aus und der Blumenmarkt wirkt bunt und fröhlich.

Einkaufscenter am Ortseingang von Gubin.
Hinterhof, …
… Straßenseite und …
Einzelhaus mit Garten.
Dieser Friedhof wurde irgendwann sich selbst überlassen. Das Gestrüpp überwuchert die Gräber, der Müll bleibt liegen. Die letzten Beerdigungen fanden wohl 1951 statt.
Vermutlich die traurige Kombination aus Erwachsenen- und Kinder-Grab. Gibt es dort mehrfach.
Außer mir die einzige Besucherin…
Günstige Haarschnitte, künstliche Fingernägel und Zoohandlungen gibt es in diesem „Container-Viertel“.
Polnischer Markt mit Blumen, …
… frischem Obst und Gemüse.

Am Rückweg zu meiner Pension hat sich das Wetter wieder verschlechtert, es ist kühl, wolkenverhangen und ich habe meinen ersten Blues auf dieser Reise. Ich fühle mich genauso zurückgelassen und trostlos wie diese Stadt und vermisse plötzlich meine Familie und mein Zuhause. Die Kontaktaufnahme mit dem hiesigen Grünen klappt irgendwie nicht und Ska Keller ist in Guben, wo sie ja herkommt, auch nicht mehr anzutreffen ;-).

Am Ende hilft bei so einer Stimmung nur eins: neue Pläne und gutes Essen. Genau darum sitze ich jetzt hier in diesem außergewöhnlichen Lokal mit hervorragender Karte und für morgen habe ich bereits ein Zimmer in einer Jugendherberge etwas weiter abseits der Grenze gebucht. Doch dazu morgen mehr.

Industrie-Ruinen verdüstern meine Stimmung…
… doch so ein Lokal hellt sie wieder auf :-)!

Alles in allem ist mein Gefühl, dass der Modellversuch des vollständigen Zusammenwachsens der Zwillingsstädte Guben und Gubin noch einen weiten Weg vor sich hat. Guben richtet sich auf Tourist*innen ein, viele Häuser sind saniert, es gibt Unterkünfte, Museen und einige nette Geschäfte. Gubin hinkt dagegen weit hinterher. Außer in den Lokalen bleiben die Menschen unter sich. Auf Gubins Straßen hört man nur polnisch, westlich der Neiße spricht man nur deutsch. Schade :-(.

Update! 31. August 2020, 15:30 Uhr aus einem Bioladen mit Café in Guben.

Nach einer verregneten Nacht verlasse ich gleich in der Früh das Städtchen Forst. Es gab leider keinen Grund, hier noch länger zu verweilen. Zwar sind einzelne Gebäude schön saniert, doch insgesamt wirkt alles noch ziemlich trostlos. Die Brücke gegenüber meiner Pension sieht heute noch aus wie nach dem 2. Weltkrieg.

Mit dem Bus fahre ich weiter nach Guben, wo ich mich für zwei Nächte in einer Pension einmiete, die von äußerst netten Frauen geführt wird. Alles ist ganz geschmackvoll hergerichtet und ich fühle mich auf Anhieb wohl. Außerdem braucht mein Rücken mal bisschen Pause. Ich bummle noch ein wenig durch Guben und beschließe, mir den polnischen Teil der „Zwillingsstadt“ Gubin am nächsten Tag anzuschauen.

Es lockert immer mehr auf und rund um das Zentrum gibt es einige nette Läden und das Bio-Café, in dem ich immer noch sitze.

Das nächste Update gibt es dann frühestens morgen Abend – sofern ich Internet habe :-).

Update! 30. August 2020, 19:00 Uhr aus einem griechischen Lokal in Forst in der Oberlausitz.

Zwei Tage hinke ich in meinem Bericht hinterher und habe in Forst kein Internet. Ich kann den Beitrag deshalb erst fertigstellen, wenn ich wieder im deutschen Netz bin. Momentan bin ich im polnischen.

Von vorne: am 29.8. verlasse ich Görlitz und fahre mit dem Zug nach Weißwasser. Am Bahnhof treffe ich Norman von den dortigen Grünen und seinen kleinen Sohn. Norman und seine Frau Susan haben mich spontan eingeladen, bei ihnen die nächste Nacht zu bleiben. Deshalb bringen wir erst einmal meinen schweren Rucksack nach Hause, bevor ich mich auf meine Rundwanderung mache.

Wer Weißwasser besucht, kommt im Prinzip nicht am Braunkohletagebau Nochten vorbei. Der von der LEAG (Lausitzer Energie- und Bergbau-AG) betriebene Tagebau samt Kraftwerk grenzt unmittelbar im Süden an die Stadt Weißwasser und hat gewaltige Ausmaße. Am „schweren Berg“ hat die LEAG eigens einen Aussichtsturm errichtet, zu dem ganz sicher nicht nur Kohlegegner*innen pilgern.

Doch es lohnt, im Anschluss nicht zurück, sondern auf dem mehrere Kilometer langen Radweg entlang des Abbaugebietes bis nach Trebendorf zu gehen. Dort, ganz im Westen der Grube, findet nämlich der Abbau statt, während man vom Aussichtsturm aus v.a. das rekultivierte Gelände sieht, mit dem sich die LEAG einen nachhaltigen Anstrich geben möchte.

Zurück nach Weißwasser gehe ich eine Runde, vorbei am Halberndorfer See, und mache Pause in einem netten Café mitten in einer Gärtnerei. Am Ortseingang entdecke ich ein Schild mit dem Hinweis, dass Weißwasser 2016 Klimaschutzkommune wurde und den European Energy Award erhalten hat. Ich kann nur vermuten, dass der Tagebau offiziell der Nachbargemeinde zugerechnet wird… Letztlich bin ich ca. 12-13 Kilometer gegangen, als ich wieder bei Norman und Susan daheim eintreffe.

Café im Gartencenter „Eden“

Alle vier machen wir uns auf den Weg zum Street-Food-Festival im Süden der Stadt, wo wir gemeinsam zu Abend essen. Wir beenden den Tag bei Norman und Susan im Garten an der Feuerschale.

Street-Food-Festival in Weißwasser.

Heute, am 30. August sitze ich mit Norman, Susan und ihrem kleinen Sohn (in den ich mich auf den ersten Blick verliebt habe!!) beim Sonntagsfrühstück. Anschließend packen wir zusammen und die ganze Familie bringt mich zum Ausgangspunkt meiner heutigen Wanderung, nach Pusack. Von da gehe ich am Neißeweg wieder Richtung Norden – bis nach Forst. Und es ist kaum zu glauben: wir kennen uns erst einen Tag und der Abschied fällt mir schwer. Diese wunderbaren Menschen habe ich garantiert nicht zum letzten Mal gesehen :-).

Kurz darauf nimmt mich der Neißeweg gefangen. Herrlicher alter Wald wechselt sich ab mit freien Feldern und Wiesen. Das Wetter ist noch sonnig und ich versuche mal wieder, relativ rasch voranzukommen. Es ist Regen angesagt und 21,5 km brauchen ihre Zeit.

Es geht durch alten herrlichen Mischwald…
… über weitläufige Wiesen…
… immer entlang der Neiße, dem Grenzfluss zu Polen.

In Forst angekommen schlägt zwar das Wetter um, aber ich beziehe bereits meine Pension am Kegeldamm, direkt am Neiße-Weg. Nach einem kleinen Nickerchen gehe ich zum Griechen ums Eck, esse erst mal Pasta mit Knoblauch und schreibe meinen Reiseticker. Nur, wie gesagt, hochladen kann ich ihn nicht. Ohne Internet und ohne was zum Lesen, werde ich heute also mal in der Pension meinen Fernseher anmachen – Premiere in diesem Urlaub :-).

Update! 28. August 2020, 21:40 aus dem Café Kugel, einem vegetarisch-veganen Lokal in Görlitz.

Was für ein Tag!

Nachdem ich am Vorabend mehrere Grüne von hier kennenlernen durfte, bin ich immer noch sehr beeindruckt von der positiven und engagierten Stimmung im Stadtverband. Jana, die im Görlitzer Stadtrat die Grünen vertritt, möchte ich heute noch in ihrem Laden besuchen. Erst geht es jedoch durch die Stadt, um noch ein paar mehr Eindrücke mitzunehmen.

Görlitz vom Turm der Peterskirche aus.
Der Trabi – gelegentlich sieht man ihn noch zu Werbezwecken, aus dem alltäglichen Stadtbild ist er verschwunden.
Der morgendliche Regen geht in Sonnenschein über und gemütlich bummle ich über den Markt am Marienplatz.

Jana Krauß, Grüne Stadträtin in Görlitz, hat das, was man einen Lieblingsladen nennt: eine Mischung aus Buchhandlung und Antiquariat. Kein Buch, dass man bei ihr nicht bekommt und ungefähr ebenso groß wie ihr Büchervorrat im Laden ist ihr Wissen darüber. Nicht umsonst hat sie 2019 den Deutschen Buchhandelspreis in der zweithöchsten Kategorie gewonnen: https://www.goerlitzer-anzeiger.de/goerlitz/kultur/16388_goerlitzer-buchhandlung-art-goreliz-gewinnt-deutschen-buchhandlungspreis.html

Jana vor ihrem Buchladen „Art Gorelitz“

Ich bummle weiter durch die Stadt und beschließe, in der Sonne ein wenig zu entspannen und mal wieder meine Mails zu lesen.

Na, wenn das nicht nach Urlaub aussieht…?

Um 16:15 Uhr treffe ich mich mit Annett Jagiela, der Sprecherin der Görlitzer Grünen. Sie nimmt mich mit zu einer Demo nach Herwigsdorf, etwa 25km außerhalb der Stadt. Ein landwirtschaftlicher Großbetrieb namens „Agrofarm“ möchte dort erweitern und sowohl neue Ställe als auch neue Güllebehälter bauen. Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die den weiteren Ausbau der Massentierhaltung kritisiert. Noch mehr Emissionen, mehr Gülle, mehr Verkehr… irgendwann muss Schluss sein. Nicht ganz, denn der Ort lebt von der Agrofarm und den dortigen Arbeitsplätzen, aber mit dem weiteren Ausbau. Doch die Fronten scheinen, zumindest teilweise, verhärtet.

Hinter Maschendraht: einer von mehreren Ställen mit Milchkühen.
Knapp 100 Demonstrant*innen ziehen mit Schildern durch das Dorf zum Bauplatz der geplanten neuen Ställe.
Flankiert wird die Demonstration jedoch von denjenigen, die fälschlicherweise befürchten, die Bürgerinitiative wäre gegen die Agrofarm als Ganzes. Schließlich hängen ihre Arbeitsplätze und somit ihre Existenz an dem Betrieb.
Annett (rechts auf dem Bild) setzt auf Dialog. Viele Plakate der Agrofarm-Befürworter*innen stünden gar nicht im Widerspruch zu den Forderungen der Bürgerinitiative, doch wie so oft hört man sich gegenseitig nicht mehr zu.

Am Rückweg beschäftigt uns das Thema weiterhin und als wir in Görlitz erneut Jana treffen, müssen wir erst einmal berichten. Anschließend verabschieden wir uns, denn morgen geht es für mich weiter.

Starke Grüne Frauen in Görlitz: Jana (links i. B.) und Annett (rechts i. B.).

Update! 27. August 2020, 17:45 immer noch aus der Jugendherberge in Görlitz.

Heute ist ein „alles-läuft-ganz-hervorragend“-Tag. Von Zittau fahre ich ein kleines Stückchen Zug bis Hirschfelde. Das Wetter ist zwar unbeständig, doch die dunklen Wolken regnen sich heute nicht über mir ab :-). So komme ich trockenen Fußes und sogar teilweise bei Sonnenschein ins 8,5km entfernte Kloster Marienthal.

Für beinahe mittelalterlichen Flair sorgen die Umgebindehäuser mit Fachwerk in Hirschfelde.
Sehr idyllisch verläuft der Neiße-Rad-und Wanderweg immer entlang der Neiße durch schönen Laub-Mischwald.
Kloster Marienthal

Vom Kloster sind es noch ca. 3km bis zum Bahnhof von Ostritz, von wo aus ich den Zug nach Görlitz nehme.

Der Bahnhof von Ostritz dürfte einer der verlassensten Orte sein, die man sich vorstellen kann. Er liegt übrigens in Polen und die Haltestelle heißt nicht Ostritz, sondern Krzewina Zgorzelecka :-).

Mittlerweile bin ich in Görlitz angekommen, habe problemlos ein Zimmer in der dortigen Jugendherberge bekommen und für den heutigen Abend habe ich bereits einen guten Tipp bekommen: um 19:00 Uhr ist Grüner Stammtisch. Na, da lasse ich mich doch mal blicken.

Update! 27. August 2020, 16:45 aus der Jugendherberge in Görlitz.

Gestern war der zweite Tag in Zittau und ich durfte ihn mit Matthias, dem hiesigen Grünen Stadtrat verbringen.

Selbstredend, dass uns der erste Weg zum Rathaus führt.

Nachdem extra für mich der Sitzungssaal aufgesperrt wird, …
… muss ich gleich mal Platz nehmen. Was für ein toller Saal!

Ja, Zittau ist wirklich eine schöne Stadt. Über den Marktplatz mit seinen schönen alten Fassaden geht es weiter zum Grünen Büro in der inneren Weberstraße.

Ein ehemaliger Döner- und Imbiss-Laden wird für das Grüne Büro gerade liebevoll hergerichtet.

Wisst Ihr, was Wächterhäuser sind? In Privathäusern, um die sich niemand kümmert, werden alternative Projekte angesiedelt. Der Deal ist: Keine oder nur geringe Miete gegen kleinere Ausbesserungsarbeiten, damit das Haus nicht ganz verfällt.

Eingangsbereich eines sogenannten „Wächterhauses“

Über den Westpark, das Kasernenviertel, die Gartenstadt bis zur Blumenuhr geht es weiter kreuz und quer durch die Stadt, es gibt Schönes und weniger Schönes, aber interessant ist alles, wenn man die Geschichten dazu erfährt. Es ist bereits nach 16:00 Uhr, als ich mich von meinem sehr kundigen Stadtführer Matthias verabschiede – DANKE!!

Der Abend endet dann mal wieder bei Horst und seiner Frau Rose in der Küche mit Brotzeit und Wein. Kaum zu glauben, dass wir uns erst zwei Tage kennen, so unbeschwert bleiben mir diese beiden Tage in Zittau in Erinnerung.

Liebe Rose, lieber Horst, es war wunderbar bei Euch.

Update! 25. August 2020, 22:30, wieder aus meinem Zimmer in Zittau.

Gleich nach dem Frühstück hat mich Horst heute auf eine Sightseeingtour der besonderen Art rund um Zittau mitgenommen. Dazu fuhren wir zunächst mal über die nahe gelegene polnische Grenze.

Nur wenige Meter von Deutschland entfernt haben sich polnische Händler*innen auf die Nachfrage von Gästen aus dem Nachbarland eingestellt.
Zigaretten, Kinderspielzeug, Süßwaren…
… und die polnische Variante von Round Up (siehe Schreibeweise).

Die Rundreise hält noch mehrere Überraschungen für mich parat:

Ebenfalls ganz grenznah: der Braunkohletagebau Turow mit Kraftwerk. Noch bis 2045 soll hier abgebaut werden und der noch nicht in Betrieb genommene Block ganz links hinten auf dem Bild wurde erst neu dazu gebaut. Obwohl die baurechtliche Genehmigung dafür noch fehlt.
Dreiländereck: Hier, etwa in der Mitte des Flusses Neiße, treffen Deutschland (hinten), Polen (vorne rechts) und Tschechien (vorne links) aufeinander.

Wir fahren an den Kristyna-See in Tschechien, der ebenfalls mal Tagebaugebiet von minderwertiger Braunkohle war. Wegen mangelnder Rentabilität wurde die Grube bereits 1972 geflutet und dient seitdem als Bade- und Urlaubsgebiet mit angeschlossenem Campingplatz.

Wir fahren zurück nach Sachsen und weiter durch verschiedene die Ortschaften in der näheren Umgebung.

Ortsmitte von Oybin
Umgebindehaus (regionaler Baustil) in Großschönau

Zwischen malerischen Ortschaften kommen wir an diesen imposanten Felsen vorbei:

Nur zu erklimmen mit Kletterausrüstung!

Es gibt noch viele weitere Besonderheiten für mich zu sehen und abends begleite ich Horst zum Stadt- und Regionaltreffen der Zittauer Grünen. Ein wirklich voller und abwechslungsreicher Tag dank eines sehr ortskundigen Gastgebers. Ich kann nur DANKE sagen :-).

Update! 25. August 2020, 18:10 aus meiner kleinen Ferien-Einliegerwohnung bei Horst in Zittau.

Der gestrige Montag war wieder Reisetag. Mit dem Zug über Dresden geht es nach Zittau. Für Dresden nehme ich mir allerdings ein paar Stunden Zeit.

Dresden – eine schöne Altstadt und in jedem Fall einen Abstecher wert.
Am Ufer der Elbe ein Radler mit der Wespe teilen, …
… in die Sonne blinzeln und entspannen :-).

Um kurz nach 19:00 Uhr treffe ich in Zittau ein und mache mich auf den Weg zu meiner Unterkunft. Ganz spontan möchte ich mich in dieses Städtchen verlieben, als ich um die Ecke biege…

… und auf die Montags-Kundgebung von Pegida stoße :-(!

Umso mehr freue ich mich, kurz danach Horst von den Zittauer Grünen zu treffen, der mir eine sehr gemütliche Bleibe für drei Nächte anbietet.

Meine neue Wohlfühl-Oase :-)!

Der Abend endet am Küchentisch von Horst mit vielen guten Gesprächen um 00:30 Uhr.

Update! 24. August 2020, 8:40 aus dem Frühstücksraum im Hotel Saigerhütte, Olbernhau.

Der gestrige Tag diente nur der Erholung – mit Erfolg. Nach einem späten Frühstück besichtigte ich (in Flipflops :-)) das Städtchen. Das begann direkt vor der Hoteltür, denn die Saigerhütte ist quasi Teil eines sehr gut erhaltenen Freilichtmuseums. Und auch in Olbernhau selbst, das sich ca. 3km an dem Flüsschen „Flöha“ entlangzieht, gibt es ein schönes Museum zur Geschichte der Stadt. Und eine Eisdiele mit veganem Schokoladeneis :-). Ein paar fotografische Eindrücke habe ich schon mal zusammengestellt:

Denkmalkomplex Saigerhütte: https://www.olbernhau.de/de/saigerhütte-0
„Hüttenteich“ hinter dem Hotel
Parkanlage im Freilichtmuseum Saigerhütte
Gegen Vorlage des Heimtierausweises bekommen finanzschwache Tierhalter*innen hier alles, was ihr Liebling braucht – Futter, Spielzeug, Schlafkissen, Kratzbaum etc…
Es geht auch ohne Text: hier gibt‘s Teile vom Schwein.
Nicht mal die Gärtnerei ist hier rein pflanzlich :-))).
Teilweise ganz schön „Deutsch“ hier…
Häufiges Bild: heruntergekommene verlassene Ruinen direkt neben frisch sanierten Prachtbauten.
Kläglicher Versuch, dem tristen Heim etwas Farbe zu verleihen.

Bei meinem Spaziergang habe ich noch zwei sehr interessante Gespräche geführt, die viel über diese Gegend und die Menschen hier aussagen. Eines mit der ca. 60-jährigen Mitarbeiterin des Stadtmuseums und ein zweites mit einem ca. 16 Jahre jungen Mann. Beide Gespräche habe ich schriftlich festgehalten und werde sie nach meiner Rückkehr auf meiner Seite veröffentlichen.

Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich aus Olbernhau und mache mich auf den Weg nach Zittau. Nein, nicht zu Fuß, sondern mit dem Zug über Dresden.

Update! 22. August 2020, 20:20 aus dem Hotel Saigerhütte in Olbernhau.

Richtig gelesen – aus einem Hotel. Und das hat seine Gründe. Aber von vorn: Heute waren zwei Premieren: 1.) Wetterumbruch und 2.) ein „alles-geht-schief-Tag“. Letzterer führte dazu, dass meine heutige Grenzerfahrung neben der räumlichen vor allem eine körperliche war.

Ich verließ meine Pension in Satzung und eine 15-köpfige Gruppe sehr netter Biker (Grüße gehen raus!) um 8:45, gerade, als es zu regnen anfing. Bei Wind und Nässe ging es zunächst zum Hirtstein, wo außergewöhnliche Basaltformationen zu sehen waren.

Blick zurück auf Satzung. Auf der Anhöhe drehen sich vier Windräder.
Basalt, der vor 30 Mio Jahren fächerförmig an die Oberfläche drang.

Das offizielle Etappen-Ende gemäß Beschreibung des sogenannten Kammweges war Kühnheide. Das war nach ca. 12 km erreicht. Da es dort aber keine Übernachtungsmöglichkeit gibt, hatte ich die Empfehlung, nach Rübenau zu gehen. Dort gibt es den Gasthof Bergblick.

Doch ca. 5 km weiter war ich wieder in Kühnheide, mittlerweile des Gehens durch den Regen schon etwas leid und mit einer dicken Blase am linken Fuß, die ich unterwegs zweimal verarzten musste. Lediglich die Tatsache, dass mich der Umweg durch das schöne Schwarzwassertal geführt hat, war etwas Trost.

Schwarzwassertal

Ich fand einen anderen Weg nach Rübenau, der erneut 5km durch Birkenwälder und ein großes Hochmoor führte.

In Rübenau angekommen hatte ich ca. 22km hinter mir, war ziemlich erschöpft und suchte die mir empfohlene Gaststätte. Doch da machte einfach niemand auf, auch ans Telefon ging keiner. Leider hätte ich auch nicht eher anrufen können, weil ich fast auf dem ganzen Weg kein Netz hatte.

Frustriert suchte ich den ganzen traurigen Ort von vorne bis hinten ab – nichts. Keine Schlafgelegenheit und auch keine Person irgendwo, die ich hätte fragen können. Nur am Ortseingang war ein vielversprechender Hinweis auf ein Hotel in Olbernhau. Doch da sollte ja erst die morgige Etappe hinführen. Aber was soll‘s, dachte ich: nehm ich halt den Bus nach Olbernhau… von wegen, am Wochenende fährt da kein Bus – gar keiner!!

Mittlerweile hasste ich Rübenau und mit einem bösen Blick zurück machte ich mich auf den Weg nach Olbernhau. Nicht, ohne mir in dem schönen Hotel schon ein Zimmer reserviert zu haben.

Rübenau!!…
… Du siehst mich garantiert nie wieder!

Danach hatte ich keine Lust mehr auf Wanderwege, ich wollte nur noch am kürzesten Weg nach Olbernhau. Der Straße entlang waren das aber auch noch 11,5 km :-(. Und die zogen sich. Zum Glück war die Straße kaum befahren und führte immer am Bach entlang. Dennoch, ich habe mich noch nie so über ein Ortsschild gefreut wie heute, vom Hotel gar nicht zu reden.

Nach Olbernhau immer am Bach entlang. Die rechte Seite war schon Tschechien.
Glücksgefühle….
… und grenzenlose Erleichterung!

Hier bleibe ich jetzt gleich zwei Nächte, denn normalerweise wäre ich sowieso erst morgen dort angekommen. Außerdem reicht eine Nacht nicht zur Regeneration. In Zeitlupentempo werde ich morgen das Städtchen erkunden. Und für heute: gute Nacht!

Update! 21. August 2020, 19:45 aus der Pension „Erbgericht“ in Satzung.

Heute keine Wanderung, denn heute war Tag des ÖPNV in Sachsen. Um vom Vogtland-Panoramaweg auf den Kammweg zu wechseln, musste ich heute mit Bus und Bahn eine Strecke überwinden, die mit dem Auto gute eineinhalb stunden gedauert hätte.

Um 9:00 Uhr bin ich in der Jugendherberge am Aschberg aufgebrochen. Ca. 20 Minuten zu Fuß bis zur Bushaltestelle, dann erst mal warten und dann zum Bahnhof Klingenthal. Damit begann der ganz normale ÖPNV-Wahnsinn. „Ganz normal“ deswegen, weil es keinerlei Verspätung gab. Dennoch: an meinem heutigen Tagesziel angekommen bin ich letztendlich um 17:15 Uhr. Es ging über Zwickau, dann mit einer Regionalbahn nach Schwarzbach im Erzgebirge und dann noch mit zwei verschiedenen Überlandbussen bis Satzung. Danach war ich fast genauso erschöpft wie gestern nach 20km Wanderung.

Die zwei Stunden Aufenthalt in Zwickau habe ich zumindest für einen Bummel durch die Innenstadt genutzt, denn an dem Zwickauer Hauptbahnhof mag man wirklich nicht verweilen.

Zwickauer Hauptbahnhof von Bahnsteig 8 aus.
Eindrücke aus der Zwickauer Innenstadt: von „Kolonialwaren“ …
… über Kunst …

… bis hin zu einem ganz phantastischen Verpackungsfrei-Laden mit sehr netten Inhaber*innen: www.unverpackt-zwickau.de

Jetzt sitze ich bei einem Glas Wein vor meiner wirklich sehr gemütlichen und ansprechenden Pension auf der Hausbank und blicke auf ein Dorf, in dem fast alles noch anmutet wie zu DDR-Zeiten.

Braune Wohnhäuser, …
… braune Höfe, …

… sogar die Kirche ist in diesem Braun. Bei so viel Tristesse freue ich mich schon wieder auf meine morgige Wanderung durch ganz viel grüne Natur.

Update! 20. August 2020, vom Aschberg, Jugendherberge Klingenthal.

Heute habe ich wenig fotografiert, denn es hieß „Strecke machen“. Ca. 20 Kilometer hatte ich vor mir mit zwei größeren Anstiegen. Trotzdem gibt es ein paar besondere Eindrücke zum Festhalten und Teilen.

Etwa acht Kilometer verlief der Weg ausschließlich durch Bergwaldgebiet. Meist war gut beschildert, doch auch das Gegenteil war der Fall. Da ich mich wieder der Grenze genähert hatte, halfen zum Teil wirklich nur die Grenzsteine, um überhaupt eine Orientierung zu haben.

Vom kaum erkennbaren Trampelpfad mit alter Markierung…
… über den Schilderbaum …
… bis zum deutsch-tschechischen Wiesenhang ohne jegliche Kennzeichnung war alles dabei.

Die ständige Suche nach Wegzeichen rückte allerdings auch Besonderheiten in den Blick, wie etwa ein Soldatengrab mitten im Wald oder seltene Blumen.

Das müsste ein Fingerhut sein, oder?

Von Klingenthal aus ging es dann am Nachmittag noch einmal steil bergauf bis zur Jugendherberge, und als ich gerade dachte, ich kann nicht mehr, ging dieses wunderschöne Pausenplatzerl her:

Jetzt genieße ich noch mein vegetarisches Abendessen in der Herberge und dann wird es vermutlich nicht lange dauern, bis der Tag für mich zu Ende geht.

Update! 19. August 2020, 17:45 aus der Pension Paulus-Schlößl in Marktneukirchen

Heute war der erste „stille“ Tag mit viel Gehen und wenig Gesprächen. In der Früh um 8:00 Uhr machte ich mich auf den Weg von Plauen nach Bad Brambach mit der Vogtlandbahn. Schon beim Anblick der Zug-Anzeige wurde klar: es geht Richtung tschechische Grenze :-).

Bad Brambach selbst ist das, was wir uns unter einer verlassenen Ortschaft vorstellen. Ein paar hübsche Häuschen gibt es zwar, aber Bahnhof und Marktplatz sprachen für sich.

Einer von nur zwei Läden im Zentrum von Markt Brambach

Tagsüber führte mich der Vogtland-Panorama-Weg dann wirklich an die Grenze. Leider war es teilweise verwirrend, im Wald zwischen lauter Grenzsteinen umherzuirren, ohne relevante Markierung in Sichtweite. Etwa eine Stunde hat mich die Suche nach dem richtigen Weg gekostet und vermutlich habe ich die Grenze in dieser Zeit gleich mehrmals überschritten.

An dieser Stelle boten die Grenzsteine noch Orientierung.

Der heutige Tag endete in Marktneukirchen, erstmals mit stark erholungsbedürftigen Füßen. Etwa 10 Kilometer bin ich heute gegangen, was mir relativ wenig vorkommt. Doch es geht immer bergauf und bergab, das macht es anstrengend. Ich bin schließlich noch nicht in Übung. Hoffentlich geht es morgen schon bisschen besser.

Update! 18. August 2020, 20:07 aus der Jugendherberge in Plauen.

„Grüne trifft Grüne“ lautete das heutige Motto. Die liebe Steffi, Leiterin des Regionalbüros von Gerhard Liebscher, dem Vogtländer Landtagsabgeordneten, hat mich mittags in Plauen begrüßt und mir gleich mal die Stadt gezeigt.

Bis vor einigen Jahren hat sie selbst noch den Künstlerverein im Malzhaus geleitet. Die aktuelle Ausstellung hat mir sehr gefallen und auch die Location ist etwas ganz Besonderes: Kunst- und Kultur-Zentrum mit besonderem Charme.

Überhaupt hat Plauen einige ganz außergewöhnliche Ecken!

Sehr gefreut hat mich die Bekanntschaft mit Gerhard. Im sächsischen Landtag ist er zuständig für die Themen Wirtschaft und Arbeit. Auch Verkehr ist sein Steckenpferd und da hat er mir gleich mal eine wichtig Frage an unseren verkehrspolitischen Sprecher Markus Büchler mitgegeben.

Zufällig traf es sich, dass am Nachmittag ein junger Mann ins Büro kam und um Unterstützung bat: er würde gerne die Grüne Jugend von Plauen gründen… ganz ehrlich: Nichts wäre besser 💚💚.

Was nämlich kein Vorurteil ist: der politische Rechtsruck ist hier ausgeprägter und auch sichtbarer als bei uns im LK München. Es gibt zwar antifaschistische Strukturen in einigen ostdeutschen Städten, aber nicht in Kleinstädten wie Plauen. Da wäre doch zumindest eine Grüne Jugend schon mal hilfreich.

Nach dem Abschied von den Vogtländer Grünen ging‘s noch bisschen in die Stadtmitte. Um die Plauener Spitze kommt man letztlich in dieser Stadt nicht rum, der Besuch im gleichnamigen Museum war deshalb Pflicht.

Doch danach war genug für heute: ich mietete mich in der Jugendherberge ein und ließ den Tag entspannt ausklingen.

Update! 18. August 2020, 10:28 aus dem Zug nach Plauen.

Gestern war der erste Reisetag und er war bereits voller neuer Eindrücke. Schönes, aber auch Beklemmendes. Kein Wunder,, denn nachmittags habe ich die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg besucht. Mir und meinem Chef, der sich meinem ersten Urlaubstag angeschlossen hatte, verschaffte der Gedenkstättenleiter einen ganz besonderen Eindruck dieses Ortes. Ich bin jetzt noch sehr bewegt.

Der Ort Flossenbürg wird von der bereits aus der Ferne sichtbaren Burgruine geprägt, die auf einem gigantischen Felsen aus Flossenbürger Granit erbaut wurde.

Ein wahrer Ort der Stille war dieser wunderschöne alte jüdische Friedhof in der Ortschaft Floß. Bereits vor 400 Jahren wurden hier Familienangehörige der damals dort ansässigen jüdischen Gemeinde beigesetzt.

Am Abend hat mich meine Arbeitskollegin Andrea mit zu sich nach Hause eingeladen, nach Bärnau. So wie auch Flossenbürg liegt Bärnau ganz nahe an der tschechischen Grenze, weshalb mir Andrea auch gleich mal den dort bekannten Grenzlandturm gezeigt hat.

Wusstet Ihr, dass es ein Knopfmuseum gibt? ich weiß es seit gestern Abend, nachdem mir Andrea, die dort arbeitet, eine Exklusiv-Führung gegeben hatte. Ich bin erstaunt, dass es so viele Knöpfe gibt, welche Geschichten sie erzählen können und wie viel sie teilweise wert sind.

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Andrea, die mir die Oberpfalz in kurzer Zeit nahe gebracht und mich am Abend noch ganz hervorragend verköstigt hat.

15. August 2020: Letzte Vorbereitungen

Das Wichtigste bei einem Urlaub zu Fuß sind sicherlich die Schuhe. Meine Trekkingschuhe sind zum Glück nicht neu, sondern vor vier Jahren mit mir bereits auf dem Benediktweg in Umbrien und Latium gewandert. Trotzdem habe ich Blasenpflaster im Gepäck, denn je nach Wetter, Socken oder Steigung können selbst die bequemsten Schuhe mal drücken.

Und noch etwas kenne ich von meiner Pilgerreise vor vier Jahren: je weniger Gepäck, umso aufwändiger ist das Packen. Vier Wochen mit Rucksack am Rücken – da will jedes Gramm gut überlegt sein. Also habe ich Zahnpasta, Duschgel, Mückenspray, Sonnencreme etc. entweder selbst in kleine Behälter abgefüllt oder als Mini-Ausgabe gekauft. Der Hit ist allerdings die Tastatur mit der ich das hier schreibe: eine Blutooth-Tastatur zum Zusammenklappen, gerade mal 200g leicht, die mir das mühsame Tippen am Handy erspart.

Problematisch wird die Bekleidung, denn innerhalb eines Monats muss ich wohl mit allen Wetter-Variationen rechnen. Aber Hauptsache, der Bikini ist dabei, denn ab und zu mal zum Baden gehen, das muss einfach möglich sein :-).

Für die Übernachtungen habe ich mir noch einen neuen Schlafsack geleistet: relativ klein und nur 930g Gewicht. Auch wenn ich nicht im Freien übernachte – die eigene Decke ist mir am liebsten.

Morgen wird dann alles gepackt und notfalls wieder teilweise ausgepackt 🙂 – dann gehts am Montag früh los. Um 7:14 nehme ich die S-Bahn ab Dürrnhaar und erreiche gegen Mittag Flossenbürg in der Oberpfalz an der tschechischen Grenze. Von dort melde ich mich dann wieder.

Herzliche Grüße, Eure Christine

 


Ein Urlaub mit Grenzerfahrung

„Neues wagen“ ist nicht nur mein Motto für die kommende Legislaturperiode im Gemeinderat, sondern auch für meinen anstehenden Urlaub.

Ob ich dabei persönliche Grenzerfahrungen machen werde, ist eine offene Frage, nicht aber die Route entlang der deutsch-tschechischen und deutsch-polnischen Grenze bis hinauf an die Ostsee. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß werde ich in unterschiedlich langen Etappen die östlichen Regionen unserer Bundesrepublik erkunden.

Nach der ersten Station in Flossenbürg, nahe der Grenze zu Tschechien, geht es direkt ins Vogtland. Etwa eine Woche möchte ich dort wandern und verweilen, bis ich von Zittau aus über Görlitz entlang der Neiße neue Gegenden entdecke.

Die Zwischenstationen im weiteren Streckenverlauf sind noch nicht fest geplant, in jedem Fall werde ich die Gelegenheit nutzen, auch mal eine Stippvisite nach Polen zu unternehmen. Etwa von dem Städtchen Guben direkt am Westufer der Neiße aus. Gleich gegenüber am Ostufer liegt die polnische Stadt Gubin.

In Neißemünde mündet dann, wie der Name schon sagt, die Neiße in die Oder und ab dort geht es weiter bis Frankfurt an der Oder. Das letzte Teilstück bis zur Ostsee ist dann geprägt von dem breiten und weniger idyllischen Flussverlauf, weshalb hier entweder einige Ausflüge abseits der Grenzregion auf dem Programm stehen oder eine längere Bahnfahrt Richtung Norden, um noch ein paar Tage entlang der Küste Richtung Westen oder sogar auf Usedom zu wandern.

Neben dem Bedürfnis nach Abstand von den eigenen vier Wänden brauche ich auch etwas Abwechslung, um wieder frisch und ausgeruht nach den Sommerferien meine Arbeit und meine Gemeinderatstätigkeit aufnehmen zu können. „Abwechslung“ ist dabei ein weiter Begriff und umfasst neben – hoffentlich – schönen Naturerlebnissen auch Eindrücke, die uns hier im wohlhabenden Oberbayern eher fremd sind und die vielleicht politisch zum Nachdenken anregen.

Ob alles klappt, kann ich nicht sagen. Ebenso wenig, ob ich die geplanten vier Wochen voll nutzen werde oder ob ich aus irgendwelchen Gründen vorher abbreche. Doch ich bin zuversichtlich und freue mich auf dieses Abenteuer.

Wer mich virtuell begleiten möchte, kann dies ab 15. August auf meiner Facebook-Seite (ggf. Kontakt-Anfrage schicken) und ausführlich unter dem Beitrag „Reiseticker“ auf dieser Homepage tun.

Euch allen wünsche ich einen schönen Sommer und freue mich, wenn Ihr Interesse an meinen Erfahrungen im „Urlaub mit Grenzerfahrung“ habt. Möglicherweise ist ja etwas dabei, was Ihr selbst auch mal machen wollt.

Eure Christine

 

Dürrnhaar, 8. August 2020

 

 


Mit neuem Mut nach vorne schauen

Es war alles andere als ein ruhiger Sonntag: der Tag der Kommunalwahl am 15. März 2020. Für uns Ayinger Grüne und auch für mich persönlich stand viel auf dem Spiel: schaffe ich als Bürgermeisterkandidatin den Einzug in die Stichwahl, werden wir mehr Sitze im Gemeinderat erhalten? Falls ja, können wir die 13,9 % aus dem Jahr 2014 relevant steigern?

Das Resultat war nach vielen Stunden des Hoffens und Bangens ein gemischtes. Die Stichwahl verpasst, wenn auch mit respektablen 24,3%, dafür vier Sitze im Gemeinderat mit 22,1% – ein echter Erfolg. Selbst dann, wenn der um 0,5% verpasste 5. Sitz ein kleiner Wehmutstropfen war.

Ergebnis Bürgermeisterwahl

Ergebnis Gemeinderatswahl

Dieses Ergebnis musste sich also erst einmal setzen, wir mussten beraten, uns austauschen und nachdenken. Zumindest das Gemeinderats-Ergebnis hätten wir gerne gefeiert, aber aufgrund der Corona-Krise ist das momentan nicht möglich. Doch die Krise und der persönliche Rückzug schafft auch Raum zum Planen und um sich neu aufzustellen.

Wir blicken also nach vorne und vergessen dabei nicht, was wir in den letzten Wochen und Monaten geschafft haben.

Schon seit Anfang Januar waren die Ayinger Grünen mit mir unterwegs, haben Infostände besetzt, sich und mich an Haustüren vorgestellt, Veranstaltungen zu den Themen Wohnungsbau und Energiewende organisiert und mich als ihre Bürgermeisterkandidatin auf Ortsteilgespräche begleitet. Zusätzlich wurden in vollständiger Eigenleistung Flyer und Plakate entworfen, Facebook-Posts verschickt und Texte für die Homepage geschrieben. Basis für all das war unser Wahlprogramm, dessen Entstehung wir bereits im Juni 2019 im Rahmen eines gemeinsamen Workshops begonnen und im letzten Herbst fertiggestellt haben.

Wir haben also ein Fundament geschaffen, das uns jetzt bei unserer anstehenden Gemeinderatsarbeit noch sehr nützlich sein wird. Unser Programm ist Auftrag und nicht nur Wahlkampf, daran lassen wir uns messen.

Mit vier Grünen Gemeinderatsmitgliedern werden wir die Dinge angehen, die ich als Bürgermeisterin sehr gerne unbürokratisch und zeitnah umgesetzt hätte: mehr Transparenz, weniger Nicht-Öffentlichkeit, ein offenes Haus für alle Bürgerinnen und Bürger. Eine Haus-interne nachhaltige Beschaffung, mehr Fortbildung für Gemeinderatsmitglieder sowie rasche Gespräche mit relevanten Bevölkerungsgruppen wie Jugendlichen, Senior*innen, unseren Vereinsleitungen und Kunstschaffenden, Mieter*innen, Geflüchteten, Neubürger*innen, Alleinerziehenden, Umweltschützer*innen, Pflegebedürftigen und jungen Familien. Für all das und noch viel mehr bräuchte es keine Anträge, der politische Wille einer Bürgermeisterin oder eines Bürgermeisters würde reichen.

Auch die Verbesserung der Homepage ist mir ein Anliegen – nutzerfreundlich, übersichtlich und immer aktuell. Dazu leichtere Online-Kontaktmöglichkeiten und das Angebot, Gemeinderatssitzungen auch am PC verfolgen zu können. Die Umstellung auf ein Ratsinformationssystem würde den Papierwust zur Vorbereitung auf Sitzungen erheblich reduzieren und gleichzeitig den Informationsgehalt erhöhen.

Das alles könnte sofort geschehen und zusammen mit dem Grünen Ortsverband und meinen Gemeinderatskollegen Andreas Wolf, Franz Klug und Hermann Klein werden wir genau beobachten, welche Angebote uns die beiden Kontrahenten bis zur Stichwahl noch machen. In jedem Fall werden wir einem neuen Bürgermeister unsere Mithilfe zur Umsetzung dieser vielfältigen Verbesserungsmöglichkeiten anbieten.

Weiterhin werden wir uns bestmöglich um die täglichen Anforderungen kümmern, die Bedürfnisse der Menschen in unserer Gemeinde hören, ihnen soweit es geht helfen und dafür sorgen, dass wir als Gemeinde die Herausforderungen der Zukunft meistern. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit jetzt vier Gemeinderatsmitgliedern uns noch weit besser in die Kommunalpolitik einbringen können als bisher.

Dies ist eine Chance für uns Ayinger Grüne, die wir Ihnen, unseren Wählerinnen und Wählern zu verdanken haben. Und obwohl ich nicht in der Stichwahl bin: fast ein Viertel der Bevölkerung hat mir Vertrauen ausgesprochen. Das alleine ist Freude und Motivation  zugleich.

Zusammen mit meinen Grünen Kollegen werde ich das anpacken, was im Wahlkampf versprochen wurde, übrigens nicht nur von uns. Und ich werde weiterhin kritisch, aber zugleich konstruktiv die Gemeinderatstätigkeit ausfüllen.

Ihre Christine Squarra

Dürrnhaar, 19. März 2020

Titelfoto: Claus Schunk


Vorsicht, aber keine Panik!

Aus aktuellem Anlass informiere ich auf meiner Homepage zum Corona-Virus in Aying.

Dieser Beitrag im Münchner Merkur macht gerade über verschiedene Kanäle in den sozialen Medien die Runde:
https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/aying-ort28266/coronavirus-aying-hausarztpraxis-infektion-geschlossen-13585591.html 

Ich nutze hiermit ausnahmsweise meine Homepage, um die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu informieren und um Vorsicht zu bitten, aber auch, um Euch vor teilweise panischen Botschaften zu warnen.

Konkrete Maßnahmen oder Vorgaben seitens des Landratsamtes wurden bisher nicht eingeleitet. Ob Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen morgen geschlossen bleiben, erfahren die Einrichtungen direkt. Prüft deshalb immer wieder Eure Mails, damit Euch solche Nachrichten auch rechtzeitig erreichen.

Wer unsicher ist, hat folgende Möglichkeiten:

  • Das Landratsamt richtet ab morgen ein Bürgertelefon ein: 089-6221-1234
  • Das staatliche Gesundheitsamt im Landratsamt ist erreichbar unter: 089-6221-1000
  • Das Bayerische Landesamt für Gesundheit ist über eine Coronavirus-Hotline zu erreichen: 09131-6808-5101
  • Informationen hinsichtlich richtiger Hygiene im Zusammenhang mit dem Corona-Virus gibt es auch über das Robert-Koch-Institut:
    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html 

Bitte bleibt zwar vorsichtig, aber unaufgeregt.
Informiert Eure Freunde und Bekannten, aber ebenfalls ohne Panik.
Der Münchner Merkur wird regelmäßige Updates bringen.

Herzliche Grüße und bleibt gesund,
Eure Christine

Dürrnhaar, 8. März 2020

Bild: Münchner Merkur, © AFP, Corona-Virus unter dem Mikroskop


Auf geht’s in ein neues Jahr!

Drei Tage sind es noch bis zum Jahr 2020, dem Beginn eines neuen Jahrzehnts. Verschiedene Gedanken gehen mir in diesem Zusammenhang durch den Kopf, denn als Politikerin sehe ich es in erster Linie als meine Aufgabe, die Zukunft der Bürger*innen unserer Gemeinde so positiv und zugleich so verantwortungsvoll wie möglich zu gestalten. Was also fällt mir dazu spontan ein?

Das kommende Jahrzehnt ist entscheidend, um den Klimaschutz mit der Vehemenz voranzubringen, die zum Erreichen der Pariser Klimaziele erforderlich ist. Doch noch zögern Weltgemeinschaft, EU und auch Deutschland. Zu unklar scheinen die Wege, zu einflussreich die Gegner*innen, zu unbequem die erfolgsversprechenden Mittel. Dazu kommt: Je höher die Entscheidungsebene, umso träger reagiert ein politischer Apparat. Genau darum sollte bei uns hier in Bayern das Hauptaugenmerk auf den Kommunalwahlen am 15. März 2020 liegen.

Die Gemeinde als relativ kleine politische Einheit hat durchaus Spielraum und Möglichkeiten, Klimaschutz vor Ort umzusetzen, sofern die gewählten Vertreter*innen das wollen. Sobald sich ein Gemeinderat darauf verständigt, bei allen Entscheidungen den Aspekt des Klimaschutzes einzubeziehen, werden beispielsweise Bauleitpläne, Beschaffungslisten, oder Vergabekriterien anders aussehen. „Anders“ im Sinne einer besseren CO2-Bilanz, im Sinne von Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Wer das möchte, muss also bei der Wahl genau hinschauen, welche Kandidat*innen sich dafür stark machen und diese dann auch wählen.

Es gibt jedoch noch ein anderes großes Thema, welches mich als Kommunalpolitikerin in Aying zunehmend umtreibt: die Kinderbetreuung. 2019 mussten wir zum ersten Mal erleben, was es bedeutet, wenn Familien keinen Kindergartenplatz für ihre Tochter oder ihren Sohn bekommen. Nicht nur, dass die Betroffenen sich ungerecht behandelt fühlten, es ging bei einigen auch um eine ernsthafte Bedrohung der Existenzgrundlage. Ein freigehaltener Arbeitsplatz während der Elternzeit, der neu-abgeschlossene Vertrag einer Vollzeit-Stelle, die Kalkulation zur Abzahlung des Eigenheims – alles Dinge, die unter Umständen zunichte gemacht werden, wenn die Kinder keinen Betreuungsplatz haben.

Der Mangel an Betreuungsplätzen ist gleichzusetzen mit einem Mangel an Betreuungspersonal. Es gibt nicht ausreichend Erzieher*innen und Pfleger*innen und alle Gemeinden in München und Umgebung reißen sich um die wenigen freien Kräfte. Also müssen wir den Arbeitsplatz Aying besonders attraktiv machen. Und wir müssen Alternativen zu klassischen Betreuungseinrichtungen zulassen, etwa die Großtagespflege. Einiges davon wurde bereits gemacht, aber das reicht nicht. Das neu-eingeführte Buchungsportal wird etwas Abhilfe hinsichtlich der Transparenz und einer gerechten Verteilung schaffen, ein Allheilmittel ist es jedoch ebenfalls nicht. Die Gemeinde ist im Zugzwang, den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz zu erfüllen. Darum wird dies die erste große Aufgabe sein, die ein neuer Gemeinderat und eine neue Bürgermeisterin bzw. ein neuer Bürgermeister bewältigen müssen.

Der dritte Gedanke, der mich momentan stark beschäftigt, ist die Frage, ob wir als Gesellschaft wieder näher zusammenrücken oder ob wir weiter auseinander driften? Die politischen Diskurse der vergangen Jahre haben es gezeigt: gegenseitiges Zuhören, das Akzeptieren anderer Meinungen, die konstruktive Suche nach gemeinsamen Lösungen und auch der wertschätzende, unvoreingenommene Umgang mit anderen, möglicherweise fremden Menschen, scheint immer weniger möglich zu sein.

Auch innerhalb der Parlamente, auf Podien, im Gemeinderat oder bei Bürgerversammlungen herrscht bisweilen ein rauer, geringschätzender Ton gegenüber Andersdenkenden. Doch genau wir Politiker*innen sind es, die solche Tendenzen wieder einfangen können, indem wir mit gutem Beispiel vorangehen. Der Wahlkampf in den kommenden Wochen bietet dafür die beste Gelegenheit, sich selbst von politischen Gegenspieler*innen abzugrenzen und dennoch fair und sachlich zu bleiben.

Als Bürgermeisterkandidatin der Ayinger Grünen liegt mir insbesondere der letzte Punkt sehr am Herzen, denn ich sage nichts Neues, wenn ich behaupte: gemeinsam kann man mehr erreichen. Doch dazu muss man Menschen erst einmal zusammenbringen und für einen respektvollen Umgang untereinander sorgen. Das will und werde ich stets versuchen.

Bild: Pixabay

Dürrnhaar, 28. Dezember 2019


Dafür stehe ich: Klimaschutz in Europa und Aying

Am 24. Mai 2019 war der zweite weltweite Aktionstag der Friday-For-Future-Bewegung. Alle Medien waren gefüllt mit bewegenden Bildern tausender Jugendlicher in über 200 deutschen Städten, die auf den Straßen für Klimaschutz demonstriert haben. Alleine für München schwankten die Teilnehmerzahlen zwischen fünf- und zehntausend.

Wenn ich diese Bilder sehe und die Berichte dazu lese, fallen mir drei Dinge spontan ein: Hoffnung – Europa – Aying

Hoffnung:

Diese Generation gibt mir Hoffnung! Nicht nur, weil sie offensichtlich gerade die einzige ist, die etwas bewegen und somit möglicherweise die schlimmsten Klimakatastrophen noch abwenden kann. Nein, sie macht mir auch Hoffnung, weil die Jugendlichen dieser Generation zu dem geworden sind, was wir – die Eltern, die Lehrkräfte, die Erzieher*innen – uns immer für sie gewünscht haben: mündige Bürger*innen, sie sich für uns alle, für unsere Umwelt und unseren Lebensraum engagieren. Sie tun das mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, scheuen dabei keine Mühen, lassen sich weder von schlechtem Wetter, noch von Strafandrohungen oder bösen Kommentaren abhalten. Sollten wir da nicht alle wirklich stolz sein auf unsere Kinder? Ist das nicht die politische Bildung, die wir immer fordern?

Ich jedenfalls bin stolz! Als mir mein Sohn am 24.5. um 6:00 Uhr früh diese Aufnahme geschickt hat mit dem Kommentar: „Hab jetzt Schicht“ wusste ich, dass mich eine eins in Latein nie so glücklich machen würde. Ab Donnerstag Nachmittag Bühne aufbauen, dann die ganze Nacht in Schichten die Bühne bewachen, abwechselnd in Lautsprecherwagen schlafen, um 7:30 Uhr heimfahren, frühstücken, duschen und wieder los zur Demo. Danach bis spät abends abbauen…

Europa

Auf dieser Hoffnung, die uns unsere Kinder gerade geben, indem sie alles dafür tun, um endlich einen wirksamen Klimaschutz einzuleiten, dürfen wir uns nicht ausruhen. Der Mut, das Engagement, die vielen ehrenamtlichen Stunden der jungen Generation müssen belohnt werden, wenn wir nicht riskieren wollen, dass wir das alles ins Gegenteil verkehren: in Entmutigung, Verzweiflung oder sogar Wut. Ein starkes Zeichen haben die deutschen Wähler*innen zu meiner Erleichterung bei der Europawahl am 26. Mai gesetzt, indem dort mit über 30% Parteien gewählt wurden, die sich für echten Klimaschutz einsetzen. Meine Wahl war die Partei von die Bündnis 90/Die Grünen, doch wichtig war vor allem, nicht diejenigen zu wählen, die entweder den menschgemachten Klimawandel leugnen oder diejenigen, die seit Jahren von Klimazielen nur schwadronieren und nichts umsetzen, weil Lobbyinteressen bei ihnen auf größeres Gehör stoßen als unsere Jugendlichen.

Aying

Europaweite Bestimmungen machen vieles erst möglich, durch Fördermaßnahmen und vor allem durch richtige Vorgaben (Rahmenbedingungen). Doch mit guten Klimaschutzmaßnahmen können wir auch jetzt schon anfangen. Noch braucht es für jeden kleinen Schritt auf kommunaler Ebene viel Überzeugungsarbeit und nicht selten scheitert diese, doch davon lasse ich mich nicht entmutigen. Während die Jugendlichen demonstrieren, habe ich die Möglichkeit, mich bei unserer Ayinger 29++-Klimaschutz-Initiative zu engagieren. Ich selbst habe sie mit-gegründet, bin seit Anfang an dort aktiv und versuche auch weiterhin, viele Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde zum Mitmachen zu bewegen. Wir bringen dort unsere Ideen zusammen, starten Projekte zu den Themen „Energie“, „Mobilität“ und „Konsumverhalten“ und als Bürgermeisterkandidatin verspreche ich, dass ich Alles tun werde, um diese Klimschutz-Initiative zum Erfolgsprojekt von Aying zu machen. Darum macht mit, Ihr tut es in erster Linie für Eure Kinder! https://29plusplus-aying.de 

Bilder: Demo-Plakat (Fotograf: Wolfgang Schmidhuber), Theresienwiese bei Sonnenaufgang (Fotograf: Frank Squarra), Infostand zur Europawahl in Peiß (Fotograf: Andreas Wolf)

Aying, 10. Juni 2019


Grüner Wahlkampf geht nur gemeinsam

Ab dem Tag, an dem eine Bürgermeisterkandidatur öffentlich bekannt gegeben wird, steht diese eine Person im Zentrum des öffentlichen Interesses der Gemeinde.

Auch bei mir wird sich Vieles ab sofort um meine Kandidatur, meine Inhalte, meine Ideen drehen. Genau deshalb ist es mir wichtig, von Anfang an eines deutlich zu machen. Die Bewerbung um das Amt als Bürgermeisterin wird getragen von unserem gesamten Grünen Ortsverband in Aying.

  • Gemeinsam erarbeiten wir Inhalte und Ideen für eine positive Zukunft unserer Gemeinde. Darüber diskutieren wir bei unseren Ortsverbandstreffen sowohl untereinander als auch mit allen Gästen, die sich bei diesen öffentlichen Treffen hinzugesellen. Als Bürgermeisterkandidatin greife ich diese Inhalte auf und trage sie bei Veranstaltungen oder in Interviews stellvertretend an die Bevölkerung heran.
  • Gemeinsam überlegen wir uns neue Formate und Gelegenheiten, um mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog zu treten und um uns verschiedene Meinungen anzuhören. Die besten Ideen davon herauszufiltern und daraus Handlungsstrategien zu entwickeln ist bei uns immer Teamarbeit.
  • Gemeinsam versuchen wir nun ein Jahr lang einen engagierten und fröhlichen Wahlkampf zu führen. Auch nicht-Mitglieder sind herzlich eingeladen, uns dabei zu unterstützen. Wir teilen uns auf in kleine Gruppen, um effektiv zu arbeiten, etwa für Pressearbeit, social Media, strategische Überlegungen, Aktionen, Termine, inhaltliche Schwerpunkte u.s.w.

Unser zwar kleiner, aber sehr motivierter Ortsverband ist der Motor, sowohl hinter meiner Kandidatur als auch hinter unserem Wahlkampf für eine starke Grüne Liste zur Kommunalwahl 2020. Auf der Homepage des Ortsverbandes unter www.gruene-aying.de bringen wir regelmäßig neue Beiträge, Wissenswertes und Vorschläge zum Leben in unserer Gemeinde.

Kontakt zum Ortsverband: christine@gruene-aying.de und franzi@gruene-aying.de

Pressekontakt: nortrud@gruene-aying.de

Strategie-Team der Bürgermeisterkandidatin: paul@gruene-aying.de und ragnhild@gruene-aying.de

Bild: Ayinger Kastanienhof, Garten (Fotografin: Yvonne Jurisch)

Aying, 4. April 2019


Nominierung als Bürgermeisterkandidatin

Am Freitag, den 29. März 2019 fand im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung meine Nominierung als Bürgermeisterkandidatin der Ayinger Grünen statt. Dazu hatten wir in den Kastanienhof eingeladen, also in das Lokal, in dem wir unseren Ortsverband vor über fünf Jahren, am 5.11.2013, gegründet hatten. Damals wurden wir tatkräftig unterstützt von Christoph Nadler, dem Vorsitzenden der Grünen Kreistagsfraktion München-Land, und auch diesmal war er wieder dabei. Er leitete, nach der Begrüßung durch unseren Kassier Paul Vorsatz, die Nominierung fachkundig an.

Rund 40 Gäste sowie ein Vertreter der Presse waren gekommen und füllten den Nebenraum bis auf den letzten Platz. Für mich war es sehr bewegend zu sehen, wie groß das Interesse an unserer Art, Kommunalpolitik in Aying zu machen, in den letzten Jahren geworden ist und wie viele Menschen mich bei meiner Kandidatur unterstützen. Mit einer knapp 20-minütigen Rede habe ich deshalb versucht, kurzweilig und sehr persönlich die Dinge anzusprechen, die wir bewegen und voranbringen könnten, wenn ich Bürgermeisterin von Aying wäre und – das ist mir an dieser Stelle sehr wichtig – wenn wir ab 2020 eine starke Gruppe Grüner Gemeinderatsmitglieder hätten.

Meine Vorstellungen zu meiner Arbeitsweise als Bürgermeisterin habe ich versucht, mit diesen beiden Kernaussagen zusammenzufassen:

  1. „Wenn wir wollen, dass unsere Gemeinde ökologisch, fahrradfreundlich, sozial und gerecht wird, dann müssen wir bei uns selbst anfangen. Die Gemeinde hat eine große Vorbild-Funktion, schöpft diese jedoch bei weitem nicht aus. Wir sollten umstellen auf nachhaltige Beschaffung, dürfen bei eigenen Grundstücken keine Bieterverfahren zulassen, die Barrierefreiheit ist in Aying noch sehr ungenügend umgesetzt und ich könnte mir auch vorstellen, einen Jugendrat einzuführen, den es in anderen Gemeinden bereits gibt.“
  2. „Mehr Gemeinsamkeit, mehr Mitsprache, mehr Unterstützung von Außen in das Rathaus hineinholen; dafür werden wir belohnt mit mehr Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungen, die letztlich im Gemeinderat getroffen werden müssen. Die Leute wollen nicht nur alle sechs Jahre ihre Stimme abgeben und ansonsten alles gutheißen, das klappt einfach nicht mehr.“

Im Anschluss an meine Worte forderte Christoph Nadler alle anwesenden Ortsverbandsmitglieder und die Gäste auf, mit ihrer Stimmkarte anzuzeigen, ob sie mit meiner Nominierung für die Ayinger Grünen einverstanden sind. Das einstimmige Ergebnis hat mich nicht nur sehr gefreut, ich werte es auch als einen Vertrauensvorschuss, dem ich im Laufe des Wahlkampfes und darüber hinaus gerecht werden möchte.

Bild: der Vorsitzende der Grünen Kreistagsfraktion und Landratskandidat Christoph Nadler mit mir im Kastanienhof (Fotografin: Yvonne Jurisch)

Aying, 4. April 2019