Auf geht’s in ein neues Jahr!

Drei Tage sind es noch bis zum Jahr 2020, dem Beginn eines neuen Jahrzehnts. Verschiedene Gedanken gehen mir in diesem Zusammenhang durch den Kopf, denn als Politikerin sehe ich es in erster Linie als meine Aufgabe, die Zukunft der Bürger*innen unserer Gemeinde so positiv und zugleich so verantwortungsvoll wie möglich zu gestalten. Was also fällt mir dazu spontan ein?

Das kommende Jahrzehnt ist entscheidend, um den Klimaschutz mit der Vehemenz voranzubringen, die zum Erreichen der Pariser Klimaziele erforderlich ist. Doch noch zögern Weltgemeinschaft, EU und auch Deutschland. Zu unklar scheinen die Wege, zu einflussreich die Gegner*innen, zu unbequem die erfolgsversprechenden Mittel. Dazu kommt: Je höher die Entscheidungsebene, umso träger reagiert ein politischer Apparat. Genau darum sollte bei uns hier in Bayern das Hauptaugenmerk auf den Kommunalwahlen am 15. März 2020 liegen.

Die Gemeinde als relativ kleine politische Einheit hat durchaus Spielraum und Möglichkeiten, Klimaschutz vor Ort umzusetzen, sofern die gewählten Vertreter*innen das wollen. Sobald sich ein Gemeinderat darauf verständigt, bei allen Entscheidungen den Aspekt des Klimaschutzes einzubeziehen, werden beispielsweise Bauleitpläne, Beschaffungslisten, oder Vergabekriterien anders aussehen. „Anders“ im Sinne einer besseren CO2-Bilanz, im Sinne von Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Wer das möchte, muss also bei der Wahl genau hinschauen, welche Kandidat*innen sich dafür stark machen und diese dann auch wählen.

Es gibt jedoch noch ein anderes großes Thema, welches mich als Kommunalpolitikerin in Aying zunehmend umtreibt: die Kinderbetreuung. 2019 mussten wir zum ersten Mal erleben, was es bedeutet, wenn Familien keinen Kindergartenplatz für ihre Tochter oder ihren Sohn bekommen. Nicht nur, dass die Betroffenen sich ungerecht behandelt fühlten, es ging bei einigen auch um eine ernsthafte Bedrohung der Existenzgrundlage. Ein freigehaltener Arbeitsplatz während der Elternzeit, der neu-abgeschlossene Vertrag einer Vollzeit-Stelle, die Kalkulation zur Abzahlung des Eigenheims – alles Dinge, die unter Umständen zunichte gemacht werden, wenn die Kinder keinen Betreuungsplatz haben.

Der Mangel an Betreuungsplätzen ist gleichzusetzen mit einem Mangel an Betreuungspersonal. Es gibt nicht ausreichend Erzieher*innen und Pfleger*innen und alle Gemeinden in München und Umgebung reißen sich um die wenigen freien Kräfte. Also müssen wir den Arbeitsplatz Aying besonders attraktiv machen. Und wir müssen Alternativen zu klassischen Betreuungseinrichtungen zulassen, etwa die Großtagespflege. Einiges davon wurde bereits gemacht, aber das reicht nicht. Das neu-eingeführte Buchungsportal wird etwas Abhilfe hinsichtlich der Transparenz und einer gerechten Verteilung schaffen, ein Allheilmittel ist es jedoch ebenfalls nicht. Die Gemeinde ist im Zugzwang, den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz zu erfüllen. Darum wird dies die erste große Aufgabe sein, die ein neuer Gemeinderat und eine neue Bürgermeisterin bzw. ein neuer Bürgermeister bewältigen müssen.

Der dritte Gedanke, der mich momentan stark beschäftigt, ist die Frage, ob wir als Gesellschaft wieder näher zusammenrücken oder ob wir weiter auseinander driften? Die politischen Diskurse der vergangen Jahre haben es gezeigt: gegenseitiges Zuhören, das Akzeptieren anderer Meinungen, die konstruktive Suche nach gemeinsamen Lösungen und auch der wertschätzende, unvoreingenommene Umgang mit anderen, möglicherweise fremden Menschen, scheint immer weniger möglich zu sein.

Auch innerhalb der Parlamente, auf Podien, im Gemeinderat oder bei Bürgerversammlungen herrscht bisweilen ein rauer, geringschätzender Ton gegenüber Andersdenkenden. Doch genau wir Politiker*innen sind es, die solche Tendenzen wieder einfangen können, indem wir mit gutem Beispiel vorangehen. Der Wahlkampf in den kommenden Wochen bietet dafür die beste Gelegenheit, sich selbst von politischen Gegenspieler*innen abzugrenzen und dennoch fair und sachlich zu bleiben.

Als Bürgermeisterkandidatin der Ayinger Grünen liegt mir insbesondere der letzte Punkt sehr am Herzen, denn ich sage nichts Neues, wenn ich behaupte: gemeinsam kann man mehr erreichen. Doch dazu muss man Menschen erst einmal zusammenbringen und für einen respektvollen Umgang untereinander sorgen. Das will und werde ich stets versuchen.

Bild: Pixabay

Dürrnhaar, 28. Dezember 2019


Dafür stehe ich: Klimaschutz in Europa und Aying

Am 24. Mai 2019 war der zweite weltweite Aktionstag der Friday-For-Future-Bewegung. Alle Medien waren gefüllt mit bewegenden Bildern tausender Jugendlicher in über 200 deutschen Städten, die auf den Straßen für Klimaschutz demonstriert haben. Alleine für München schwankten die Teilnehmerzahlen zwischen fünf- und zehntausend.

Wenn ich diese Bilder sehe und die Berichte dazu lese, fallen mir drei Dinge spontan ein: Hoffnung – Europa – Aying

Hoffnung:

Diese Generation gibt mir Hoffnung! Nicht nur, weil sie offensichtlich gerade die einzige ist, die etwas bewegen und somit möglicherweise die schlimmsten Klimakatastrophen noch abwenden kann. Nein, sie macht mir auch Hoffnung, weil die Jugendlichen dieser Generation zu dem geworden sind, was wir – die Eltern, die Lehrkräfte, die Erzieher*innen – uns immer für sie gewünscht haben: mündige Bürger*innen, sie sich für uns alle, für unsere Umwelt und unseren Lebensraum engagieren. Sie tun das mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, scheuen dabei keine Mühen, lassen sich weder von schlechtem Wetter, noch von Strafandrohungen oder bösen Kommentaren abhalten. Sollten wir da nicht alle wirklich stolz sein auf unsere Kinder? Ist das nicht die politische Bildung, die wir immer fordern?

Ich jedenfalls bin stolz! Als mir mein Sohn am 24.5. um 6:00 Uhr früh diese Aufnahme geschickt hat mit dem Kommentar: „Hab jetzt Schicht“ wusste ich, dass mich eine eins in Latein nie so glücklich machen würde. Ab Donnerstag Nachmittag Bühne aufbauen, dann die ganze Nacht in Schichten die Bühne bewachen, abwechselnd in Lautsprecherwagen schlafen, um 7:30 Uhr heimfahren, frühstücken, duschen und wieder los zur Demo. Danach bis spät abends abbauen…

Europa

Auf dieser Hoffnung, die uns unsere Kinder gerade geben, indem sie alles dafür tun, um endlich einen wirksamen Klimaschutz einzuleiten, dürfen wir uns nicht ausruhen. Der Mut, das Engagement, die vielen ehrenamtlichen Stunden der jungen Generation müssen belohnt werden, wenn wir nicht riskieren wollen, dass wir das alles ins Gegenteil verkehren: in Entmutigung, Verzweiflung oder sogar Wut. Ein starkes Zeichen haben die deutschen Wähler*innen zu meiner Erleichterung bei der Europawahl am 26. Mai gesetzt, indem dort mit über 30% Parteien gewählt wurden, die sich für echten Klimaschutz einsetzen. Meine Wahl war die Partei von die Bündnis 90/Die Grünen, doch wichtig war vor allem, nicht diejenigen zu wählen, die entweder den menschgemachten Klimawandel leugnen oder diejenigen, die seit Jahren von Klimazielen nur schwadronieren und nichts umsetzen, weil Lobbyinteressen bei ihnen auf größeres Gehör stoßen als unsere Jugendlichen.

Aying

Europaweite Bestimmungen machen vieles erst möglich, durch Fördermaßnahmen und vor allem durch richtige Vorgaben (Rahmenbedingungen). Doch mit guten Klimaschutzmaßnahmen können wir auch jetzt schon anfangen. Noch braucht es für jeden kleinen Schritt auf kommunaler Ebene viel Überzeugungsarbeit und nicht selten scheitert diese, doch davon lasse ich mich nicht entmutigen. Während die Jugendlichen demonstrieren, habe ich die Möglichkeit, mich bei unserer Ayinger 29++-Klimaschutz-Initiative zu engagieren. Ich selbst habe sie mit-gegründet, bin seit Anfang an dort aktiv und versuche auch weiterhin, viele Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde zum Mitmachen zu bewegen. Wir bringen dort unsere Ideen zusammen, starten Projekte zu den Themen „Energie“, „Mobilität“ und „Konsumverhalten“ und als Bürgermeisterkandidatin verspreche ich, dass ich Alles tun werde, um diese Klimschutz-Initiative zum Erfolgsprojekt von Aying zu machen. Darum macht mit, Ihr tut es in erster Linie für Eure Kinder! https://29plusplus-aying.de 

Bilder: Demo-Plakat (Fotograf: Wolfgang Schmidhuber), Theresienwiese bei Sonnenaufgang (Fotograf: Frank Squarra), Infostand zur Europawahl in Peiß (Fotograf: Andreas Wolf)

Aying, 10. Juni 2019