Im Osten viel Neues – ein Reiserückblick

Mehr als 14 Tage ist es bereits her, seit ich von meiner Reise durch Sachsen und Brandenburg zurückgekehrt bin. Davor habe ich in meinem Reiseticker regelmäßig berichtet, was ich erlebt habe, doch erst jetzt kann ich festhalten, welche Nachwirkungen dieser Urlaub bei mir hat.

Vorweg nehmen kann ich, dass es sich lohnt, unser Land besser kennenzulernen und dass ich viele Dinge erst dadurch verstanden habe, dass ich sie selbst gesehen, gehört und erlebt habe.

Der rote Faden, der sich bis auf wenige Ausnahmen durch meine Reiseroute gezogen hat, war die Grenznähe zu Tschechien und Polen, angefangen in Flossenbürg in der Oberpfalz, über das Vogtland bis in die brandenburgische Grenzstadt Guben. Ich wollte herausfinden, warum mich immer wieder der Eindruck beschleicht, dass wir nach über 30 Jahren Mauerfall nach wie vor eine unsichtbare innerdeutsche Grenze in unseren Köpfen haben.

Meine Rückschau ist deshalb auch keine chronologische, sondern es sind unterschiedliche Aspekte, die mich beeindruckt, fasziniert, erschreckt oder mich zum Nachdenken gebracht haben: die Menschen, insbesondere meine Grünen Parteifreund*innen, die Natur sowie deren Zerstörung, die Infrastruktur am Land, die Städte, die Politik.

Grün trifft Grün

Andrea

Es war die herausragende Erfahrung dieser Reise – meine Begegnungen mit anderen Grünen Mitgliedern. Bis auf Andrea, die mich gleich in meiner ersten Nacht in Bärnau (Oberpfalz) beherbergt und bekocht hat, kannte ich vorher niemanden.

 

Gleich am zweiten Tag traf ich in Plauen Steffi Müller-Klug und Gerhard Liebscher. Gerhard vertritt die sächsischen Grünen im Landtag, Steffi leitet sein Regionalbüro in Plauen und kümmert sich obendrein um den dortigen Kreisverband.

Nach einem gemeinsamen Mittagsessen zeigte mir Steffi die Stadt, insbesondere das Viertel rund um die Weberhäuser, anschließend saßen wir noch im Grünen Büro zusammen und tauschten uns über unsere politische Arbeit aus.

Steffi

Gerhard

Knapp eine Woche später traf ich in Zittau Horst Schiermeyer und seiner Frau Rose. Horst stellte mir für drei Nächte eine kleine Studio-Wohnung in seinem Haus zur Verfügung – mit Familienanschluss J. Horst weiß unglaublich viel, mit ihm wurde es keine Sekunde langweilig und es gab keine Frage, die er nicht beantworten konnte. Im Gegenteil, am ersten Tag meines Aufenthaltes machte er mit mir eine Rundfahrt in die nähere Umgebung von Zittau bis ins Zittauer Gebirge, und was ich alleine in diesen Stunden alles gesehen und erfahren habe, würde viele Seiten füllen.

Horst

Am Abend hat er mich dann noch mitgenommen zu einem Treffen der Zittauer Grünen, bei dem es vor allem um den benachbarten polnischen Kohle-Tagebau Turow ging, den ich tagsüber bereits mit eigenen Augen gesehen hatte.

Am nächsten Morgen traf ich mich mit Matthias Böhm, dem einzigen Grünen Stadtrat in Zittau. Wir haben gemeinsam die Stadt erkundet und über Kommunalpolitik geredet. Zittau hat zwar mit ca. 25.000 Einwohner*innen eine ganz andere Struktur wie die Gemeinde Aying, dennoch gibt es insbesondere im Baurecht gemeinsame Themen. Und beim ÖPNV – dem Spezialthema von Matthias.

Beim Abschied von Zittau habe ich von Horst noch eine wichtige Adresse aus Görlitz mitbekommen, nämlich von Annett Jagiela, die im Herbst 2021 für die Grünen als Bundestagskandidatin antritt. Aktuell ist sie Vorsitzende des Görlitzer Kreisverbandes und Mitarbeiterin der Landtagsabgeordneten Franziska Schubert. Sie gab mir am Telefon den Tipp, am Abend meines Eintreffens zum Treffen der Görlitzer Grünen zu gehen, das zufällig genau an diesem Tag stattfand.

Dort traf ich Jana Krauß, eine von drei Grünen Stadträt*innen in Görlitz. Während es an diesem Abend in erster Linie um die Möglichkeit einer autofreien Innenstadt ging, redeten wir einen Tag später in ihrem Antiquariat mit Buchhandel (Art Goreliz, http://www.art-goreliz.de) über ihre Stadtratstätigkeit.

Jana (links) und Annett (rechts)

Annett traf ich dann am Nachmittag, als sie mich zu einer Demonstration gegen die Erweiterung eines landwirtschaftlichen Großbetriebes mitnahm.

Für meine nächste Station, Weißwasser, hatte Annett dann noch einen ganz genialen Tipp für mich.

Norman und Susan

Norman, ein Grüner aus Weißwasser, seine Frau Susan und der 2-jähriger Sohn empfingen mich sehr herzlich und obwohl wir uns noch nie vorher gesehen hatten, stellten sie mir für die kommende Nacht ihr Gästezimmer zur Verfügung. Tags drauf wurde ich nach dem Frühstück von der ganzen Familie sogar noch zu meinem Ausgangspunkt am Neißeweg gebracht. Mir kam es vor, als würden wir uns bereits lange kennen, nicht erst seit 24 Stunden, und der Abschied fiel mir prompt schwer…

Um es in einem Satz zusammenzufassen: ich habe noch nie ganz spontan so viele hilfsbereite, gastfreundliche und nette Menschen kennengelernt wie in diesem Urlaub!

Natur – unberührt vs. zerstört

In den Grenzregionen des Vogtlandes, des Erz- und Zittauer Gebirges finden Naturliebhaber*innen wahre Paradiese. Fernwanderwege wie der Vogtland-Panoramaweg oder der Kammweg führen durch nahezu unberührte Landschaften, wie das Naturschutzgebiet „Schwarzwassertal“, durch Hochmoore, Birken und Vogelbeer-Wälder. Etwas bergig ist es hier auch, aber eben in Maßen und deshalb auch für Nicht-Alpinist*innen problemlos zu erwandern. Felsformationen wie die Kelchsteine beeindrucken allerdings auch so manche*n Kletterfreund*in

Vogtland-Panorama-Weg

Wandern im Grenzgebiet zu Tschechien

 

Blick auf Klingenthal

 

 

 

 

 

 

 

Kammweg

Kristyna-See

An heißen Tagen bieten der Kristyna-See in Tschechien und der Olbersdorfer See bei Zittau Badespaß und fast schon südländische Urlaubs-Atmosphäre. Man vergisst fast, dass es sich um geflutete ehemalige Kohleabbau-Gruben handelt. Großzügige Uferstreifen sind dem Naturschutz vorbehalten und dürfen nicht betreten werden.

Neißeweg

Insbesondere im südlichen Teil führt der Neiße-Rad- und Fußweg durch naturbelassene Mischwälder, die immer wieder von Bächen, Wiesen, Feldern und ab und zu kleinen Ortschaften unterbrochen sind. In Blicknähe immer der Grenzfluß Neiße.

Doch natürlich trifft man nicht überall auf eine ungetrübte Idylle. Insbesondere der Kohleabbau hat große Flächen in Mondlandschaften verwandelt und hässliche Wunden in die Landschaft gerissen. Ein großer Teil des CO2s, das unserem Klima so zu schaffen macht, wird hier in die Luft geblasen – ohne Pause, Tag für Tag.

Zwei Mal war ich in diesem Urlaub an solchen Orten, wo der Rohstoff für die klimaschädliche Kohleverstromung abgebaut wird. Das eine Mal in Turow, einem polnischen Tagebau direkt an der Grenze zu Tschechien und Deutschland. Das zweite Mal im Süden von Weißwasser, beim Tagebau Nochten, einem von mehreren Abbaugebieten in der Lausitz.

Tagebau Turow

Die besondere Brisanz bei Turow ist die Rücksichtslosigkeit der polnischen Regierung, die noch ohne Genehmigung einen weiteren Kraftwerksblock duldet und die erforderlichen Stellungnahmen der Nachbarländer gar nicht erst abwartet. Letztlich können diese auch nicht viel ausrichten, denn Polen hat ohnehin nicht vor, so schnell aus der Kohlekraft auszusteigen. Die Genehmigung des Betriebs von Turow soll bis 2044 verlängert werden.

 

Kraftwerk Turow mit dem noch ungenehmigten Block ganz links

Tagebau Turow

Allerdings klagt Tschechien nun gegen Turow, denn was viele nicht wissen: für den Kohle-Tagebau wird das Grundwasser abgepumpt und dadurch immer weiter abgesenkt. In den angrenzenden tschechischen Dörfern ist der Grundwasserspiegel mittlerweile um 40m(!) abgesunken, die Häuser zeigen Risse, weil sich der Untergrund absenkt und die Wasserversorgung wird immer schwieriger. Auch deshalb kam es vor wenigen Wochen zu einer großen Protestaktion u.a. von den europäischen Grünen und Greenpeace.
https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2020/08/Protestaktion-gegen-die-Verlaengerung-und-den-Ausbau-des-Braunkohletagebaus-Turow-345348

Sogar die Süddeutsche Zeitung hat davon berichtet:
https://www.sueddeutsche.de/politik/umwelt-dem-aerger-so-nah-1.5013393

https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/protest-dreilaendereck-tagebau-turow-100.html

Der in einem etwas älteren Bericht über Turow erwähnte „Horst Schiermeyer“ ist jener Horst, bei dem ich drei Nächte lang wohnen durfte und der mir das alles gezeigt hat:
https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/kohle-polen-turow-tagebau-kraftwerk-protest-100.html

Da mag es vielleicht tröstlich erscheinen, dass Deutschland den Kohleausstieg „schon“ für 2038 angekündigt hat, doch wenn man an Abbaugebieten wie dem Tagebau Nochten bei Weißwasser entlanggeht, ist diese Vorstellung im Prinzip genauso erschreckend. Weitere 18 Jahre soll das so weitergehen?

Aussichtsturm „am schweren“ Berg“ beim Tagebau Nochten

Dennoch haben ausgerechnet hier die Kohle-Gegner*innen nicht sehr viele Sympathisant*innen. In der Lausitzer Tagebau-Gegend, die sich von Sachsen bis Brandenburg erstreckt, leben viele Menschen, die in dem Kohleabbau vor allem Vorteile sehen – für die Wirtschaftskraft der Region und für den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Diese Erkenntnis traf mich spätestens dann, als ich direkt am Rande des Tagebaus Nochten auf einen Aussichtsturm, einen kilometerlangen Radweg und eine weitere Aussichtsplattform stieß. Die LEAG (Lausitzer Energie- und Bergbau AG) geht damit in die Offensive und lockt dadurch vor allem den wohlgesinnten Kohletourismus an. So, wie kleine Kinder am Rande von Baustellen

Wasserpumpe am Tagebau Nochten

stehen und die Bagger bestaunen, stehen hier ganze Familien. Voller Begeisterung erklären v.a. Väter ihren Kindern die großen Kohlebagger, die Förderanlagen, die Wasserpumpen und wie LKWs und Züge den Abtransport ins nahegelegene Kraftwerk bewältigen. Es sind fröhliche Familienausflüge, bei denen schon die Kinder lernen, worauf man hier stolz ist.

Tagebau Nochten

 

 

 

 

 

 

Tagebau Nochten

 

 

 

 

 

 

 

Ähnlich schwierig verhält es sich übrigens mit landwirtschaftlichen Großbetrieben und Massentierhaltung. Die Natur leidet an zu viel Gülle, das Klima an zu viel Methan und die Tiere an schlechten Haltungsbedingungen. Riesige Betonställe, zum Teil sicherlich Überbleibsel aus alten DDR-Betrieben, mit tausenden von Tieren haben mit den bäuerlichen Strukturen, wie wir sie in Bayern kennen, nichts mehr viel gemeinsam. Es geht v.a. um Fleisch als Massen- und Exportware, Tiere auf der Weide habe ich während der drei Wochen meiner Reise hingegen fast nirgends gesehen. Einen Blick in diese Ställe kann ohnehin niemand werfen, sie sind rundum meterhoch eingezäunt.

landwirtschaftlicher Großbetrieb in Herwigsdorf

Annett (rechts)

Mit Annett aus Görlitz war ich auf einer Demonstration gegen die Erweiterung eines großen Tierhaltungsbetriebes. Eine Bürgerinitiative wollte verhindern, dass die dortige Massentierhaltung aufgestockt wird. Doch der Betrieb namens Agrofarm ist dort auch ein großer Arbeitgeber und die meisten umliegenden, zum Teil auch dort angestellten Landwirt*innen fühlten sich durch die Kritik persönlich angegriffen. https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/milchviehanlagen-herwigsdorf-loebau-100.html

Es ist ähnlich wie beim Kohleabbau. In den umliegenden kleinen Dörfern gibt es kaum andere Arbeitsplätze als in diesen Großbetrieben, die vielen Menschen in den Dörfern das Auskommen sichern. Hier gegen eine Erweiterung zu demonstrieren kann leicht zum Spießrutenlauf werden, wie ich selbst erleben durfte.

Einige wenige Bio-Betriebe mag es auch hier geben, aber ich selbst bin leider an keinem vorbeigekommen.

Die Überzeugungsarbeit, welche die sächsischen Grünen bei Energie- und Agrarwende zu leisten haben, ist für uns Grüne in Bayern, fernab von diesen Strukturen, schwer vorstellbar. Diese Mammut-Aufgabe dürfen wir nicht alleine den Aktivist*innen vor Ort überlassen.

Stadt-Land-Dorf

Dresden

Viel Geld ist bereits in die östlichen Bundesländer geflossen um die dortige Infrastruktur, die Städte und Dörfer zu beleben und zu sanieren. Doch während große Städte wie Dresden dank dieser Unterstützung heute von westlichen Städten kaum zu unterscheiden sind und mit wunderbar restaurierten alten Gebäuden aufwarten können, gingen viele Dörfer und kleinere Städte fast leer aus. Diese Kommunen können den Sanierungsbedarf finanziell kaum stemmen und müssen sich selbst etwas einfallen lassen, um ihre Stadt dennoch lebenswert erhalten.

 

sanierte Häuser in Olbernhau

… und nicht-sanierte Häuser in Hirschfelde.

 

 

 

 

 

 

 

Von Weltkriegs-Bomben zerstörte Brücke bei Forst

„Pizzeria“ und …

… verwaister Marktplatz in Bad Brambach.

 

 

 

 

 

 

 

Naherholungsort Oybin …

… Naherholungsort Müllrose.

 

 

 

 

Ein Problem sind historische innerstädtische Gebäude, die nach der Wende günstig von Privatleuten erworben wurden und nun verfallen, weil die Eigentümer*innen entweder kein Geld oder kein Interesse mehr an einer Sanierung haben. Als Matthias mit mir in Zittau durch die innere Weberstraße ging, zeigte er mir deshalb die sogenannten Wächterhäuser.

Die Idee dazu kommt ursprünglich aus Leipzig: http://www.haushalten.org und https://www.leipzig.de/bauen-und-wohnen/stadterneuerung-in-leipzig/stadterneuerungsprojekte/waechterhaeuser/

Skater-Laden in einem Wächterhaus (Zittau)

In alten leerstehenden Häusern werden z.B. Projekte aus den Bereichen Kunst und Soziales, aber auch kleine Läden angesiedelt, die keine oder kaum Miete bezahlen, dafür jedoch die Häuser vor dem völligen Verfall bewahren und die nötigsten Ausbesserungsarbeiten übernehmen. In Zittau gibt es bislang drei solcher Häuser, um deren Vermittlung sich ein eigens dafür gegründeter Verein kümmert, in dem Matthias Mitglied ist. Gemeinsam mit ihm war ich dann auch in einem kleinen Skater-Laden mit Reparatur-Service. Nicht selten sind derartige Projekte und Läden Treffpunkte für junge Menschen mit Lust auf Veränderung und progressiven Ideen. Mir gefällt diese Initiative.

Abseits der Städte geht die teilweise noch unberührte Natur über in kleine einsame Ortschaften. Insbesondere auf den beiden Fernwanderwegen im Süden Sachsens habe ich meist stundenlang keine anderen Menschen getroffen. Ideal für Urlauber*innen, die Ruhe suchen, doch wie ist es für diejenigen, die dort leben?

In einer Gegend, in der es kaum ÖPNV gibt, oder wo ein Internetanschluss noch Luxus ist, von freiem WLAN mal ganz zu schweigen. Zwar funktioniert in den Ortschaften meist das Mobilfunknetz, aber kaum lässt man die Ortsschilder hinter sich, befindet man sich im netzfreien Raum. Höhere Schulen sind weit entfernt, Freizeitangebote für Jugendliche gibt es kaum, ebenso wenig wie Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten. Braune, heruntergekommene Häuser und leerstehende Läden säumen die unbelebten Straßen. Nur einige wenige haben sich den Wander-Tourismus zunutze gemacht und betreiben eine Pension mit gleichzeitiger Gastronomie.

Bäckerei in Satzung (Erzgebirge)

An der Hauptstraße in Satzung (Erzgebirge)

 

 

 

 

 

 

 

 

Satzung im Erzgebirge

Görlitz

Industrie-Ruine in Guben

 

 

 

 

 

 

 

Während in Städten wie Görlitz belebte Straßen und schöne alte Häuser das Stadtbild prägen, war von irgendeiner Aufbruch-Stimmung in vielen kleineren Orten nichts zu spüren. Dass so viele, insbesondere junge Menschen, dort weggezogen sind, hat mich nicht mehr gewundert.

Ostritz

Bahnhof Grunow

 

 

 

 

 

 

 

Renovierungsarbeiten … und als Aufheller ein Ginkobaum (Plauen)

Politik

Dass rechte Parteien, insbesondere die AfD, in östlichen Bundesländern weit mehr Zulauf haben als in westlichen, ist kein Geheimnis. Noch längst keine Einigkeit gibt es hingegen darüber, wie man damit am besten umgeht. Für die Grünen ist es jedenfalls eine enorme Herausforderung, mit einer AfD umzugehen, die z.B. in Görlitz mit 30,8% stärkste Kraft ist (zum Vergleich: die CDU hat dort 22%, stellt allerdings den Oberbürgermeister).

Auch mit Gerhard aus Plauen habe ich über den dortigen Rechtsradikalismus gesprochen. Umzüge des III. Wegs, teilweise auch ziemlich große, sind keine Seltenheit, im Plauener Stadtrat hat die AfD 20% und ist damit zweitstärkste Fraktion nach der CDU mit 23,7%. Doch auch der III. Weg hat mit 3,8% einen Sitz und macht damit die Rechten zur stärksten Kraft. Im sächsischen Landtag hat Gerhard ebenfalls mit der AfD zu tun: 27,5% und damit auch hier zweitstärkste Fraktion nach der CDU mit 32,1%. Die Grünen hingegen haben sowohl in Plauen als auch im Landtag jeweils 8,6%.

Rathaus Zittau – Sitzungssaal

Alles in allem habe ich im Laufe meiner Reise festgestellt, dass wir in Bayern mit einer ganz anderen Ausgangssituation Politik machen. Nicht nur die Zusammensetzung der Parlamente unterscheidet sich deutlich, auch für viele Grüne Themen gibt es bei uns in und um München bereits eine weit höhere Akzeptanz als in den Städten und Gemeinden Sachsens uns Brandenburgs.

Andererseits habe ich unglaublich viel Positives mitgenommen, ich habe tolle Projekte kennengelernt, unglaublich engagierte Politiker*innen getroffen, herzliche Gastfreundschaft erlebt, war in lebendigen, lebenswerten Städten und in wunderschöner Natur unterwegs. Mir persönlich hat sich ein ganzes Stück Deutschlands dadurch völlig anders präsentiert als erwartet und die innerdeutsche Grenze in meinem eigenen Kopf ist fast verschwunden. Ich freue mich jedenfalls schon, wenn ich das nächste mal Zeit habe, um in den Osten Deutschlands zu reisen.

Dürrnhaar, 22. September 2020

Fotos: privat