Reiseticker

Update! 4. September 2020, 17:00 Uhr, aus dem Zug.

Den gestrigen Abend verbringe ich bei letzten Sonnenstrahlen mit Anna, Silvia und dem kleinen Relio. Wir essen gemeinsam zu Abend und quatschen über Dieses und Jenes.

Heute Morgen, es ist Freitag und allgemeiner Aufbruch-Tag in der Jugendherberge, verabschieden wir uns herzlich. Über Grunow geht es nach Frankfurt (Oder), von wo aus ich wieder Anschluss an Regionalzüge in sämtliche Richtungen habe.

Ein letzter Blick auf den Bahnhof Grunow (Brandenburg, Schlaubetal)

Etwas enttäuscht bin ich von der Wettervorhersage für die Ostsee: bis auf einen Tag wird die ganze nächste Woche kühl und regnerisch. Kurzerhand disponiere ich um und suche mir ein neues Ziel.

Ich merke, dass ich meine letzte Woche am liebsten an einem festen Ort verbringen möchte, denn so viel habe ich schon gesehen und erlebt. Ich will nun auch noch ein paar Tage einfach nichts tun :-).

Ich beende deshalb hiermit meinen Reisebericht und schreibe in ein paar Tagen einen separaten und persönlichen Rückblick auf diesen für mich außergewöhnlichen Urlaub. Jetzt aber müssen sich die ganzen Eindrücke und Erinnerungen erst mal „setzen“.

Danke, dass Ihr alle mitgelesen und mir auch immer mal wieder dazu geschrieben habt. Auch das war eine sehr schöne Erfahrung ❤️!

Update! 3. September 2020, 16:30, vom „WLAN-Hotspot“ der JHB Bremsdorfer Mühle ;-).

Heute war ein „intuitiv-das-Richtige-gemacht“-Tag. Möglicherweise lag es an der netten Bekanntschaft mit Anna und ihrer Mama, die ebenfalls noch bis morgen hier sind, vielleicht aber auch an dem angekündigten schönen Wetter – jedenfalls habe ich nach dem gemeinsamen Frühstück beschlossen, noch einen Tag länger zu bleiben.

Mit dem Bus fahre ich nach Müllrose, einem hier bekannten Naherholungs-Ort am großen Müllroser See. Vom Ortszentrum aus gibt es einen herrlichen 9km langen Rundwanderweg um den See.

Müllrose ist anders als alle Orte, die ich bislang gesehen habe. Der Hauptteil des Dorfes besteht aus penibel ordentlich und sauber hergerichteten Einfamilienhäusern, die auf mich fast wie eine sterile Kulisse wirken.

Beliebtes Müllroser Vorgarten-Modell
Lieber viel Zufahrt als viel Garten(-arbeit)
Die Dichte der Rasenmäh-Roboter ist in Müllrose höher als in so manchem Gartencenter.
Aufgefallen ist mir auch das Denkmal zur Ehrung sowjetischer Kriegshelden.

Sobald ich die letzten Häuser allerdings hinter mir lasse, gewinnt sofort die Natur die Oberhand.

Vorbei an diesem kleinen Badestrand (der nachmittags auch gut besucht war) …
… führt nur noch ein schmaler Waldweg um den See.
Was für ein herrlicher Tag! Hier lässt es sich aushalten und ich bleibe sitzen, bis mein Bus geht.

Update! 2. September 2020, 21:00 Uhr, aus der Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“.

Mit dem Zug verlasse ich am frühen Vormittag Guben und fahre 18km nördlich nach Neuzelle. Das stand zwar nicht auf meinem Plan, wurde mir jedoch mehrfach empfohlen. Warum also nicht? Das dortige Kloster hat den Ort bekannt gemacht und unabhängig von jeglicher Religionszugehörigkeit ist es wirklich sehenswert.

Schon von Weitem ist das Kloster zwischen den Bäumen zu sehen.

Zum Kloster gehört auch die Neuzeller Brauerei, die das bekannte Bier „Schwarzer Abt“ herstellt. Ich nehme an einer Brauereiführung mit Verkostung teil. Gut! Aber Bier-Fan werde ich trotzdem nicht :-).

Am Nachmittag breche ich auf zu meiner Unterkunft „Bremsdorfer Mühle“, einer Jugendherberge im Schlaubetal.

Umstieg ist in Eisenhüttenstadt am ZOB. Vielleicht tue ich der Stadt Unrecht, aber ich bin froh, dass ich nach 30 Minuten Wartezeit die Stadt wieder verlassen darf.

Bewusst wird Eisenhüttenstadt als DDR—Planstadt erhalten. Identische Wohnblöcke mit genormten weißen Fensterrahmen und nur dezent wechselnder Fassadenfarbe bestimmen den Blick aus dem Busfenster auf allen Stationen. Also, ich werde davon trübsinnig. Mein Ziel ist deshalb das genaue Gegenteil. Die Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“.

Wer hier ankommt, steht total im Wald.
Doch nur wenige Meter und ich bin am Ziel.

Außer zwei Schulklassen treffe ich hier Anna, ihren zwei-jährigen Sohn und Silvia, ihre Mama. Zu dritt teilen wir uns eine Flasche Wein und verbringen einen netten Abend.

Update! 1. September 2020, 19:30 Uhr aus dem polnischen Lokal „Czarny Kot“ in Gubin.

Es ist ein Tag gemischter Gefühle. Nachdem der gestrige Abend im Ratskeller des Rathauses von Gubin zu Ende gegangen ist, beschließe ich, mir das polnische gegenüber von Guben heute näher anzusehen.

Abendessen im Ratskeller in Gubin.
Silhouette von Guben an der Neiße.

Zunächst jedoch bleibe ich im deutschen Teil „Guben“ und besuche am Vormittag das Rathaus und die dort beheimatete Stadtbibliothek. Hier könnte ich den ganzen Tag verbringen, doch den überwiegend sonnigen Vormittag nutze ich lieber für den geplanten Stadtrundgang in Gubin.

Eingangsbereich des Rathauses von Guben in der ehemaligen Hutfabrik.
Alle Bürger*innen von Guben können sich auf den Pflastersteinen vor dem Rathaus verewigen lassen.
Lesefreuden in der Stadtbibliothek

Ich habe Zeit und weite meinen Weg über den für Tourist*innen vorgesehenen alten Stadtkern aus.

Der erste Blick beim Betreten des polnischen Städtchens fällt auf ein modernes Einkaufszentrum und das schön restaurierte Rathaus. Doch nur wenige Meter dahinter ändert sich das Bild: alte, heruntergekommene Häuser, ein „vergessener“ Friedhof, vermüllte kleine Parkanlagen, Container-Hütten mit Friseursalons und Zoohandlungen. Einziger Lichtblick ist der Markt für Zigaretten, Obst, Gemüse, Süßigkeiten und Blumen. Die Lebensmittel sehen äußerst appetitlich aus und der Blumenmarkt wirkt bunt und fröhlich.

Einkaufscenter am Ortseingang von Gubin.
Hinterhof, …
… Straßenseite und …
Einzelhaus mit Garten.
Dieser Friedhof wurde irgendwann sich selbst überlassen. Das Gestrüpp überwuchert die Gräber, der Müll bleibt liegen. Die letzten Beerdigungen fanden wohl 1951 statt.
Vermutlich die traurige Kombination aus Erwachsenen- und Kinder-Grab. Gibt es dort mehrfach.
Außer mir die einzige Besucherin…
Günstige Haarschnitte, künstliche Fingernägel und Zoohandlungen gibt es in diesem „Container-Viertel“.
Polnischer Markt mit Blumen, …
… frischem Obst und Gemüse.

Am Rückweg zu meiner Pension hat sich das Wetter wieder verschlechtert, es ist kühl, wolkenverhangen und ich habe meinen ersten Blues auf dieser Reise. Ich fühle mich genauso zurückgelassen und trostlos wie diese Stadt und vermisse plötzlich meine Familie und mein Zuhause. Die Kontaktaufnahme mit dem hiesigen Grünen klappt irgendwie nicht und Ska Keller ist in Guben, wo sie ja herkommt, auch nicht mehr anzutreffen ;-).

Am Ende hilft bei so einer Stimmung nur eins: neue Pläne und gutes Essen. Genau darum sitze ich jetzt hier in diesem außergewöhnlichen Lokal mit hervorragender Karte und für morgen habe ich bereits ein Zimmer in einer Jugendherberge etwas weiter abseits der Grenze gebucht. Doch dazu morgen mehr.

Industrie-Ruinen verdüstern meine Stimmung…
… doch so ein Lokal hellt sie wieder auf :-)!

Alles in allem ist mein Gefühl, dass der Modellversuch des vollständigen Zusammenwachsens der Zwillingsstädte Guben und Gubin noch einen weiten Weg vor sich hat. Guben richtet sich auf Tourist*innen ein, viele Häuser sind saniert, es gibt Unterkünfte, Museen und einige nette Geschäfte. Gubin hinkt dagegen weit hinterher. Außer in den Lokalen bleiben die Menschen unter sich. Auf Gubins Straßen hört man nur polnisch, westlich der Neiße spricht man nur deutsch. Schade :-(.

Update! 31. August 2020, 15:30 Uhr aus einem Bioladen mit Café in Guben.

Nach einer verregneten Nacht verlasse ich gleich in der Früh das Städtchen Forst. Es gab leider keinen Grund, hier noch länger zu verweilen. Zwar sind einzelne Gebäude schön saniert, doch insgesamt wirkt alles noch ziemlich trostlos. Die Brücke gegenüber meiner Pension sieht heute noch aus wie nach dem 2. Weltkrieg.

Mit dem Bus fahre ich weiter nach Guben, wo ich mich für zwei Nächte in einer Pension einmiete, die von äußerst netten Frauen geführt wird. Alles ist ganz geschmackvoll hergerichtet und ich fühle mich auf Anhieb wohl. Außerdem braucht mein Rücken mal bisschen Pause. Ich bummle noch ein wenig durch Guben und beschließe, mir den polnischen Teil der „Zwillingsstadt“ Gubin am nächsten Tag anzuschauen.

Es lockert immer mehr auf und rund um das Zentrum gibt es einige nette Läden und das Bio-Café, in dem ich immer noch sitze.

Das nächste Update gibt es dann frühestens morgen Abend – sofern ich Internet habe :-).

Update! 30. August 2020, 19:00 Uhr aus einem griechischen Lokal in Forst in der Oberlausitz.

Zwei Tage hinke ich in meinem Bericht hinterher und habe in Forst kein Internet. Ich kann den Beitrag deshalb erst fertigstellen, wenn ich wieder im deutschen Netz bin. Momentan bin ich im polnischen.

Von vorne: am 29.8. verlasse ich Görlitz und fahre mit dem Zug nach Weißwasser. Am Bahnhof treffe ich Norman von den dortigen Grünen und seinen kleinen Sohn. Norman und seine Frau Susan haben mich spontan eingeladen, bei ihnen die nächste Nacht zu bleiben. Deshalb bringen wir erst einmal meinen schweren Rucksack nach Hause, bevor ich mich auf meine Rundwanderung mache.

Wer Weißwasser besucht, kommt im Prinzip nicht am Braunkohletagebau Nochten vorbei. Der von der LEAG (Lausitzer Energie- und Bergbau-AG) betriebene Tagebau samt Kraftwerk grenzt unmittelbar im Süden an die Stadt Weißwasser und hat gewaltige Ausmaße. Am „schweren Berg“ hat die LEAG eigens einen Aussichtsturm errichtet, zu dem ganz sicher nicht nur Kohlegegner*innen pilgern.

Doch es lohnt, im Anschluss nicht zurück, sondern auf dem mehrere Kilometer langen Radweg entlang des Abbaugebietes bis nach Trebendorf zu gehen. Dort, ganz im Westen der Grube, findet nämlich der Abbau statt, während man vom Aussichtsturm aus v.a. das rekultivierte Gelände sieht, mit dem sich die LEAG einen nachhaltigen Anstrich geben möchte.

Zurück nach Weißwasser gehe ich eine Runde, vorbei am Halberndorfer See, und mache Pause in einem netten Café mitten in einer Gärtnerei. Am Ortseingang entdecke ich ein Schild mit dem Hinweis, dass Weißwasser 2016 Klimaschutzkommune wurde und den European Energy Award erhalten hat. Ich kann nur vermuten, dass der Tagebau offiziell der Nachbargemeinde zugerechnet wird… Letztlich bin ich ca. 12-13 Kilometer gegangen, als ich wieder bei Norman und Susan daheim eintreffe.

Café im Gartencenter „Eden“

Alle vier machen wir uns auf den Weg zum Street-Food-Festival im Süden der Stadt, wo wir gemeinsam zu Abend essen. Wir beenden den Tag bei Norman und Susan im Garten an der Feuerschale.

Street-Food-Festival in Weißwasser.

Heute, am 30. August sitze ich mit Norman, Susan und ihrem kleinen Sohn (in den ich mich auf den ersten Blick verliebt habe!!) beim Sonntagsfrühstück. Anschließend packen wir zusammen und die ganze Familie bringt mich zum Ausgangspunkt meiner heutigen Wanderung, nach Pusack. Von da gehe ich am Neißeweg wieder Richtung Norden – bis nach Forst. Und es ist kaum zu glauben: wir kennen uns erst einen Tag und der Abschied fällt mir schwer. Diese wunderbaren Menschen habe ich garantiert nicht zum letzten Mal gesehen :-).

Kurz darauf nimmt mich der Neißeweg gefangen. Herrlicher alter Wald wechselt sich ab mit freien Feldern und Wiesen. Das Wetter ist noch sonnig und ich versuche mal wieder, relativ rasch voranzukommen. Es ist Regen angesagt und 21,5 km brauchen ihre Zeit.

Es geht durch alten herrlichen Mischwald…
… über weitläufige Wiesen…
… immer entlang der Neiße, dem Grenzfluss zu Polen.

In Forst angekommen schlägt zwar das Wetter um, aber ich beziehe bereits meine Pension am Kegeldamm, direkt am Neiße-Weg. Nach einem kleinen Nickerchen gehe ich zum Griechen ums Eck, esse erst mal Pasta mit Knoblauch und schreibe meinen Reiseticker. Nur, wie gesagt, hochladen kann ich ihn nicht. Ohne Internet und ohne was zum Lesen, werde ich heute also mal in der Pension meinen Fernseher anmachen – Premiere in diesem Urlaub :-).

Update! 28. August 2020, 21:40 aus dem Café Kugel, einem vegetarisch-veganen Lokal in Görlitz.

Was für ein Tag!

Nachdem ich am Vorabend mehrere Grüne von hier kennenlernen durfte, bin ich immer noch sehr beeindruckt von der positiven und engagierten Stimmung im Stadtverband. Jana, die im Görlitzer Stadtrat die Grünen vertritt, möchte ich heute noch in ihrem Laden besuchen. Erst geht es jedoch durch die Stadt, um noch ein paar mehr Eindrücke mitzunehmen.

Görlitz vom Turm der Peterskirche aus.
Der Trabi – gelegentlich sieht man ihn noch zu Werbezwecken, aus dem alltäglichen Stadtbild ist er verschwunden.
Der morgendliche Regen geht in Sonnenschein über und gemütlich bummle ich über den Markt am Marienplatz.

Jana Krauß, Grüne Stadträtin in Görlitz, hat das, was man einen Lieblingsladen nennt: eine Mischung aus Buchhandlung und Antiquariat. Kein Buch, dass man bei ihr nicht bekommt und ungefähr ebenso groß wie ihr Büchervorrat im Laden ist ihr Wissen darüber. Nicht umsonst hat sie 2019 den Deutschen Buchhandelspreis in der zweithöchsten Kategorie gewonnen: https://www.goerlitzer-anzeiger.de/goerlitz/kultur/16388_goerlitzer-buchhandlung-art-goreliz-gewinnt-deutschen-buchhandlungspreis.html

Jana vor ihrem Buchladen „Art Gorelitz“

Ich bummle weiter durch die Stadt und beschließe, in der Sonne ein wenig zu entspannen und mal wieder meine Mails zu lesen.

Na, wenn das nicht nach Urlaub aussieht…?

Um 16:15 Uhr treffe ich mich mit Annett Jagiela, der Sprecherin der Görlitzer Grünen. Sie nimmt mich mit zu einer Demo nach Herwigsdorf, etwa 25km außerhalb der Stadt. Ein landwirtschaftlicher Großbetrieb namens „Agrofarm“ möchte dort erweitern und sowohl neue Ställe als auch neue Güllebehälter bauen. Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die den weiteren Ausbau der Massentierhaltung kritisiert. Noch mehr Emissionen, mehr Gülle, mehr Verkehr… irgendwann muss Schluss sein. Nicht ganz, denn der Ort lebt von der Agrofarm und den dortigen Arbeitsplätzen, aber mit dem weiteren Ausbau. Doch die Fronten scheinen, zumindest teilweise, verhärtet.

Hinter Maschendraht: einer von mehreren Ställen mit Milchkühen.
Knapp 100 Demonstrant*innen ziehen mit Schildern durch das Dorf zum Bauplatz der geplanten neuen Ställe.
Flankiert wird die Demonstration jedoch von denjenigen, die fälschlicherweise befürchten, die Bürgerinitiative wäre gegen die Agrofarm als Ganzes. Schließlich hängen ihre Arbeitsplätze und somit ihre Existenz an dem Betrieb.
Annett (rechts auf dem Bild) setzt auf Dialog. Viele Plakate der Agrofarm-Befürworter*innen stünden gar nicht im Widerspruch zu den Forderungen der Bürgerinitiative, doch wie so oft hört man sich gegenseitig nicht mehr zu.

Am Rückweg beschäftigt uns das Thema weiterhin und als wir in Görlitz erneut Jana treffen, müssen wir erst einmal berichten. Anschließend verabschieden wir uns, denn morgen geht es für mich weiter.

Starke Grüne Frauen in Görlitz: Jana (links i. B.) und Annett (rechts i. B.).

Update! 27. August 2020, 17:45 immer noch aus der Jugendherberge in Görlitz.

Heute ist ein „alles-läuft-ganz-hervorragend“-Tag. Von Zittau fahre ich ein kleines Stückchen Zug bis Hirschfelde. Das Wetter ist zwar unbeständig, doch die dunklen Wolken regnen sich heute nicht über mir ab :-). So komme ich trockenen Fußes und sogar teilweise bei Sonnenschein ins 8,5km entfernte Kloster Marienthal.

Für beinahe mittelalterlichen Flair sorgen die Umgebindehäuser mit Fachwerk in Hirschfelde.
Sehr idyllisch verläuft der Neiße-Rad-und Wanderweg immer entlang der Neiße durch schönen Laub-Mischwald.
Kloster Marienthal

Vom Kloster sind es noch ca. 3km bis zum Bahnhof von Ostritz, von wo aus ich den Zug nach Görlitz nehme.

Der Bahnhof von Ostritz dürfte einer der verlassensten Orte sein, die man sich vorstellen kann. Er liegt übrigens in Polen und die Haltestelle heißt nicht Ostritz, sondern Krzewina Zgorzelecka :-).

Mittlerweile bin ich in Görlitz angekommen, habe problemlos ein Zimmer in der dortigen Jugendherberge bekommen und für den heutigen Abend habe ich bereits einen guten Tipp bekommen: um 19:00 Uhr ist Grüner Stammtisch. Na, da lasse ich mich doch mal blicken.

Update! 27. August 2020, 16:45 aus der Jugendherberge in Görlitz.

Gestern war der zweite Tag in Zittau und ich durfte ihn mit Matthias, dem hiesigen Grünen Stadtrat verbringen.

Selbstredend, dass uns der erste Weg zum Rathaus führt.

Nachdem extra für mich der Sitzungssaal aufgesperrt wird, …
… muss ich gleich mal Platz nehmen. Was für ein toller Saal!

Ja, Zittau ist wirklich eine schöne Stadt. Über den Marktplatz mit seinen schönen alten Fassaden geht es weiter zum Grünen Büro in der inneren Weberstraße.

Ein ehemaliger Döner- und Imbiss-Laden wird für das Grüne Büro gerade liebevoll hergerichtet.

Wisst Ihr, was Wächterhäuser sind? In Privathäusern, um die sich niemand kümmert, werden alternative Projekte angesiedelt. Der Deal ist: Keine oder nur geringe Miete gegen kleinere Ausbesserungsarbeiten, damit das Haus nicht ganz verfällt.

Eingangsbereich eines sogenannten „Wächterhauses“

Über den Westpark, das Kasernenviertel, die Gartenstadt bis zur Blumenuhr geht es weiter kreuz und quer durch die Stadt, es gibt Schönes und weniger Schönes, aber interessant ist alles, wenn man die Geschichten dazu erfährt. Es ist bereits nach 16:00 Uhr, als ich mich von meinem sehr kundigen Stadtführer Matthias verabschiede – DANKE!!

Der Abend endet dann mal wieder bei Horst und seiner Frau Rose in der Küche mit Brotzeit und Wein. Kaum zu glauben, dass wir uns erst zwei Tage kennen, so unbeschwert bleiben mir diese beiden Tage in Zittau in Erinnerung.

Liebe Rose, lieber Horst, es war wunderbar bei Euch.

Update! 25. August 2020, 22:30, wieder aus meinem Zimmer in Zittau.

Gleich nach dem Frühstück hat mich Horst heute auf eine Sightseeingtour der besonderen Art rund um Zittau mitgenommen. Dazu fuhren wir zunächst mal über die nahe gelegene polnische Grenze.

Nur wenige Meter von Deutschland entfernt haben sich polnische Händler*innen auf die Nachfrage von Gästen aus dem Nachbarland eingestellt.
Zigaretten, Kinderspielzeug, Süßwaren…
… und die polnische Variante von Round Up (siehe Schreibeweise).

Die Rundreise hält noch mehrere Überraschungen für mich parat:

Ebenfalls ganz grenznah: der Braunkohletagebau Turow mit Kraftwerk. Noch bis 2045 soll hier abgebaut werden und der noch nicht in Betrieb genommene Block ganz links hinten auf dem Bild wurde erst neu dazu gebaut. Obwohl die baurechtliche Genehmigung dafür noch fehlt.
Dreiländereck: Hier, etwa in der Mitte des Flusses Neiße, treffen Deutschland (hinten), Polen (vorne rechts) und Tschechien (vorne links) aufeinander.

Wir fahren an den Kristyna-See in Tschechien, der ebenfalls mal Tagebaugebiet von minderwertiger Braunkohle war. Wegen mangelnder Rentabilität wurde die Grube bereits 1972 geflutet und dient seitdem als Bade- und Urlaubsgebiet mit angeschlossenem Campingplatz.

Wir fahren zurück nach Sachsen und weiter durch verschiedene die Ortschaften in der näheren Umgebung.

Ortsmitte von Oybin
Umgebindehaus (regionaler Baustil) in Großschönau

Zwischen malerischen Ortschaften kommen wir an diesen imposanten Felsen vorbei:

Nur zu erklimmen mit Kletterausrüstung!

Es gibt noch viele weitere Besonderheiten für mich zu sehen und abends begleite ich Horst zum Stadt- und Regionaltreffen der Zittauer Grünen. Ein wirklich voller und abwechslungsreicher Tag dank eines sehr ortskundigen Gastgebers. Ich kann nur DANKE sagen :-).

Update! 25. August 2020, 18:10 aus meiner kleinen Ferien-Einliegerwohnung bei Horst in Zittau.

Der gestrige Montag war wieder Reisetag. Mit dem Zug über Dresden geht es nach Zittau. Für Dresden nehme ich mir allerdings ein paar Stunden Zeit.

Dresden – eine schöne Altstadt und in jedem Fall einen Abstecher wert.
Am Ufer der Elbe ein Radler mit der Wespe teilen, …
… in die Sonne blinzeln und entspannen :-).

Um kurz nach 19:00 Uhr treffe ich in Zittau ein und mache mich auf den Weg zu meiner Unterkunft. Ganz spontan möchte ich mich in dieses Städtchen verlieben, als ich um die Ecke biege…

… und auf die Montags-Kundgebung von Pegida stoße :-(!

Umso mehr freue ich mich, kurz danach Horst von den Zittauer Grünen zu treffen, der mir eine sehr gemütliche Bleibe für drei Nächte anbietet.

Meine neue Wohlfühl-Oase :-)!

Der Abend endet am Küchentisch von Horst mit vielen guten Gesprächen um 00:30 Uhr.

Update! 24. August 2020, 8:40 aus dem Frühstücksraum im Hotel Saigerhütte, Olbernhau.

Der gestrige Tag diente nur der Erholung – mit Erfolg. Nach einem späten Frühstück besichtigte ich (in Flipflops :-)) das Städtchen. Das begann direkt vor der Hoteltür, denn die Saigerhütte ist quasi Teil eines sehr gut erhaltenen Freilichtmuseums. Und auch in Olbernhau selbst, das sich ca. 3km an dem Flüsschen „Flöha“ entlangzieht, gibt es ein schönes Museum zur Geschichte der Stadt. Und eine Eisdiele mit veganem Schokoladeneis :-). Ein paar fotografische Eindrücke habe ich schon mal zusammengestellt:

Denkmalkomplex Saigerhütte: https://www.olbernhau.de/de/saigerhütte-0
„Hüttenteich“ hinter dem Hotel
Parkanlage im Freilichtmuseum Saigerhütte
Gegen Vorlage des Heimtierausweises bekommen finanzschwache Tierhalter*innen hier alles, was ihr Liebling braucht – Futter, Spielzeug, Schlafkissen, Kratzbaum etc…
Es geht auch ohne Text: hier gibt‘s Teile vom Schwein.
Nicht mal die Gärtnerei ist hier rein pflanzlich :-))).
Teilweise ganz schön „Deutsch“ hier…
Häufiges Bild: heruntergekommene verlassene Ruinen direkt neben frisch sanierten Prachtbauten.
Kläglicher Versuch, dem tristen Heim etwas Farbe zu verleihen.

Bei meinem Spaziergang habe ich noch zwei sehr interessante Gespräche geführt, die viel über diese Gegend und die Menschen hier aussagen. Eines mit der ca. 60-jährigen Mitarbeiterin des Stadtmuseums und ein zweites mit einem ca. 16 Jahre jungen Mann. Beide Gespräche habe ich schriftlich festgehalten und werde sie nach meiner Rückkehr auf meiner Seite veröffentlichen.

Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich aus Olbernhau und mache mich auf den Weg nach Zittau. Nein, nicht zu Fuß, sondern mit dem Zug über Dresden.

Update! 22. August 2020, 20:20 aus dem Hotel Saigerhütte in Olbernhau.

Richtig gelesen – aus einem Hotel. Und das hat seine Gründe. Aber von vorn: Heute waren zwei Premieren: 1.) Wetterumbruch und 2.) ein „alles-geht-schief-Tag“. Letzterer führte dazu, dass meine heutige Grenzerfahrung neben der räumlichen vor allem eine körperliche war.

Ich verließ meine Pension in Satzung und eine 15-köpfige Gruppe sehr netter Biker (Grüße gehen raus!) um 8:45, gerade, als es zu regnen anfing. Bei Wind und Nässe ging es zunächst zum Hirtstein, wo außergewöhnliche Basaltformationen zu sehen waren.

Blick zurück auf Satzung. Auf der Anhöhe drehen sich vier Windräder.
Basalt, der vor 30 Mio Jahren fächerförmig an die Oberfläche drang.

Das offizielle Etappen-Ende gemäß Beschreibung des sogenannten Kammweges war Kühnheide. Das war nach ca. 12 km erreicht. Da es dort aber keine Übernachtungsmöglichkeit gibt, hatte ich die Empfehlung, nach Rübenau zu gehen. Dort gibt es den Gasthof Bergblick.

Doch ca. 5 km weiter war ich wieder in Kühnheide, mittlerweile des Gehens durch den Regen schon etwas leid und mit einer dicken Blase am linken Fuß, die ich unterwegs zweimal verarzten musste. Lediglich die Tatsache, dass mich der Umweg durch das schöne Schwarzwassertal geführt hat, war etwas Trost.

Schwarzwassertal

Ich fand einen anderen Weg nach Rübenau, der erneut 5km durch Birkenwälder und ein großes Hochmoor führte.

In Rübenau angekommen hatte ich ca. 22km hinter mir, war ziemlich erschöpft und suchte die mir empfohlene Gaststätte. Doch da machte einfach niemand auf, auch ans Telefon ging keiner. Leider hätte ich auch nicht eher anrufen können, weil ich fast auf dem ganzen Weg kein Netz hatte.

Frustriert suchte ich den ganzen traurigen Ort von vorne bis hinten ab – nichts. Keine Schlafgelegenheit und auch keine Person irgendwo, die ich hätte fragen können. Nur am Ortseingang war ein vielversprechender Hinweis auf ein Hotel in Olbernhau. Doch da sollte ja erst die morgige Etappe hinführen. Aber was soll‘s, dachte ich: nehm ich halt den Bus nach Olbernhau… von wegen, am Wochenende fährt da kein Bus – gar keiner!!

Mittlerweile hasste ich Rübenau und mit einem bösen Blick zurück machte ich mich auf den Weg nach Olbernhau. Nicht, ohne mir in dem schönen Hotel schon ein Zimmer reserviert zu haben.

Rübenau!!…
… Du siehst mich garantiert nie wieder!

Danach hatte ich keine Lust mehr auf Wanderwege, ich wollte nur noch am kürzesten Weg nach Olbernhau. Der Straße entlang waren das aber auch noch 11,5 km :-(. Und die zogen sich. Zum Glück war die Straße kaum befahren und führte immer am Bach entlang. Dennoch, ich habe mich noch nie so über ein Ortsschild gefreut wie heute, vom Hotel gar nicht zu reden.

Nach Olbernhau immer am Bach entlang. Die rechte Seite war schon Tschechien.
Glücksgefühle….
… und grenzenlose Erleichterung!

Hier bleibe ich jetzt gleich zwei Nächte, denn normalerweise wäre ich sowieso erst morgen dort angekommen. Außerdem reicht eine Nacht nicht zur Regeneration. In Zeitlupentempo werde ich morgen das Städtchen erkunden. Und für heute: gute Nacht!

Update! 21. August 2020, 19:45 aus der Pension „Erbgericht“ in Satzung.

Heute keine Wanderung, denn heute war Tag des ÖPNV in Sachsen. Um vom Vogtland-Panoramaweg auf den Kammweg zu wechseln, musste ich heute mit Bus und Bahn eine Strecke überwinden, die mit dem Auto gute eineinhalb stunden gedauert hätte.

Um 9:00 Uhr bin ich in der Jugendherberge am Aschberg aufgebrochen. Ca. 20 Minuten zu Fuß bis zur Bushaltestelle, dann erst mal warten und dann zum Bahnhof Klingenthal. Damit begann der ganz normale ÖPNV-Wahnsinn. „Ganz normal“ deswegen, weil es keinerlei Verspätung gab. Dennoch: an meinem heutigen Tagesziel angekommen bin ich letztendlich um 17:15 Uhr. Es ging über Zwickau, dann mit einer Regionalbahn nach Schwarzbach im Erzgebirge und dann noch mit zwei verschiedenen Überlandbussen bis Satzung. Danach war ich fast genauso erschöpft wie gestern nach 20km Wanderung.

Die zwei Stunden Aufenthalt in Zwickau habe ich zumindest für einen Bummel durch die Innenstadt genutzt, denn an dem Zwickauer Hauptbahnhof mag man wirklich nicht verweilen.

Zwickauer Hauptbahnhof von Bahnsteig 8 aus.
Eindrücke aus der Zwickauer Innenstadt: von „Kolonialwaren“ …
… über Kunst …

… bis hin zu einem ganz phantastischen Verpackungsfrei-Laden mit sehr netten Inhaber*innen: www.unverpackt-zwickau.de

Jetzt sitze ich bei einem Glas Wein vor meiner wirklich sehr gemütlichen und ansprechenden Pension auf der Hausbank und blicke auf ein Dorf, in dem fast alles noch anmutet wie zu DDR-Zeiten.

Braune Wohnhäuser, …
… braune Höfe, …

… sogar die Kirche ist in diesem Braun. Bei so viel Tristesse freue ich mich schon wieder auf meine morgige Wanderung durch ganz viel grüne Natur.

Update! 20. August 2020, vom Aschberg, Jugendherberge Klingenthal.

Heute habe ich wenig fotografiert, denn es hieß „Strecke machen“. Ca. 20 Kilometer hatte ich vor mir mit zwei größeren Anstiegen. Trotzdem gibt es ein paar besondere Eindrücke zum Festhalten und Teilen.

Etwa acht Kilometer verlief der Weg ausschließlich durch Bergwaldgebiet. Meist war gut beschildert, doch auch das Gegenteil war der Fall. Da ich mich wieder der Grenze genähert hatte, halfen zum Teil wirklich nur die Grenzsteine, um überhaupt eine Orientierung zu haben.

Vom kaum erkennbaren Trampelpfad mit alter Markierung…
… über den Schilderbaum …
… bis zum deutsch-tschechischen Wiesenhang ohne jegliche Kennzeichnung war alles dabei.

Die ständige Suche nach Wegzeichen rückte allerdings auch Besonderheiten in den Blick, wie etwa ein Soldatengrab mitten im Wald oder seltene Blumen.

Das müsste ein Fingerhut sein, oder?

Von Klingenthal aus ging es dann am Nachmittag noch einmal steil bergauf bis zur Jugendherberge, und als ich gerade dachte, ich kann nicht mehr, ging dieses wunderschöne Pausenplatzerl her:

Jetzt genieße ich noch mein vegetarisches Abendessen in der Herberge und dann wird es vermutlich nicht lange dauern, bis der Tag für mich zu Ende geht.

Update! 19. August 2020, 17:45 aus der Pension Paulus-Schlößl in Marktneukirchen

Heute war der erste „stille“ Tag mit viel Gehen und wenig Gesprächen. In der Früh um 8:00 Uhr machte ich mich auf den Weg von Plauen nach Bad Brambach mit der Vogtlandbahn. Schon beim Anblick der Zug-Anzeige wurde klar: es geht Richtung tschechische Grenze :-).

Bad Brambach selbst ist das, was wir uns unter einer verlassenen Ortschaft vorstellen. Ein paar hübsche Häuschen gibt es zwar, aber Bahnhof und Marktplatz sprachen für sich.

Einer von nur zwei Läden im Zentrum von Markt Brambach

Tagsüber führte mich der Vogtland-Panorama-Weg dann wirklich an die Grenze. Leider war es teilweise verwirrend, im Wald zwischen lauter Grenzsteinen umherzuirren, ohne relevante Markierung in Sichtweite. Etwa eine Stunde hat mich die Suche nach dem richtigen Weg gekostet und vermutlich habe ich die Grenze in dieser Zeit gleich mehrmals überschritten.

An dieser Stelle boten die Grenzsteine noch Orientierung.

Der heutige Tag endete in Marktneukirchen, erstmals mit stark erholungsbedürftigen Füßen. Etwa 10 Kilometer bin ich heute gegangen, was mir relativ wenig vorkommt. Doch es geht immer bergauf und bergab, das macht es anstrengend. Ich bin schließlich noch nicht in Übung. Hoffentlich geht es morgen schon bisschen besser.

Update! 18. August 2020, 20:07 aus der Jugendherberge in Plauen.

„Grüne trifft Grüne“ lautete das heutige Motto. Die liebe Steffi, Leiterin des Regionalbüros von Gerhard Liebscher, dem Vogtländer Landtagsabgeordneten, hat mich mittags in Plauen begrüßt und mir gleich mal die Stadt gezeigt.

Bis vor einigen Jahren hat sie selbst noch den Künstlerverein im Malzhaus geleitet. Die aktuelle Ausstellung hat mir sehr gefallen und auch die Location ist etwas ganz Besonderes: Kunst- und Kultur-Zentrum mit besonderem Charme.

Überhaupt hat Plauen einige ganz außergewöhnliche Ecken!

Sehr gefreut hat mich die Bekanntschaft mit Gerhard. Im sächsischen Landtag ist er zuständig für die Themen Wirtschaft und Arbeit. Auch Verkehr ist sein Steckenpferd und da hat er mir gleich mal eine wichtig Frage an unseren verkehrspolitischen Sprecher Markus Büchler mitgegeben.

Zufällig traf es sich, dass am Nachmittag ein junger Mann ins Büro kam und um Unterstützung bat: er würde gerne die Grüne Jugend von Plauen gründen… ganz ehrlich: Nichts wäre besser 💚💚.

Was nämlich kein Vorurteil ist: der politische Rechtsruck ist hier ausgeprägter und auch sichtbarer als bei uns im LK München. Es gibt zwar antifaschistische Strukturen in einigen ostdeutschen Städten, aber nicht in Kleinstädten wie Plauen. Da wäre doch zumindest eine Grüne Jugend schon mal hilfreich.

Nach dem Abschied von den Vogtländer Grünen ging‘s noch bisschen in die Stadtmitte. Um die Plauener Spitze kommt man letztlich in dieser Stadt nicht rum, der Besuch im gleichnamigen Museum war deshalb Pflicht.

Doch danach war genug für heute: ich mietete mich in der Jugendherberge ein und ließ den Tag entspannt ausklingen.

Update! 18. August 2020, 10:28 aus dem Zug nach Plauen.

Gestern war der erste Reisetag und er war bereits voller neuer Eindrücke. Schönes, aber auch Beklemmendes. Kein Wunder,, denn nachmittags habe ich die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg besucht. Mir und meinem Chef, der sich meinem ersten Urlaubstag angeschlossen hatte, verschaffte der Gedenkstättenleiter einen ganz besonderen Eindruck dieses Ortes. Ich bin jetzt noch sehr bewegt.

Der Ort Flossenbürg wird von der bereits aus der Ferne sichtbaren Burgruine geprägt, die auf einem gigantischen Felsen aus Flossenbürger Granit erbaut wurde.

Ein wahrer Ort der Stille war dieser wunderschöne alte jüdische Friedhof in der Ortschaft Floß. Bereits vor 400 Jahren wurden hier Familienangehörige der damals dort ansässigen jüdischen Gemeinde beigesetzt.

Am Abend hat mich meine Arbeitskollegin Andrea mit zu sich nach Hause eingeladen, nach Bärnau. So wie auch Flossenbürg liegt Bärnau ganz nahe an der tschechischen Grenze, weshalb mir Andrea auch gleich mal den dort bekannten Grenzlandturm gezeigt hat.

Wusstet Ihr, dass es ein Knopfmuseum gibt? ich weiß es seit gestern Abend, nachdem mir Andrea, die dort arbeitet, eine Exklusiv-Führung gegeben hatte. Ich bin erstaunt, dass es so viele Knöpfe gibt, welche Geschichten sie erzählen können und wie viel sie teilweise wert sind.

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Andrea, die mir die Oberpfalz in kurzer Zeit nahe gebracht und mich am Abend noch ganz hervorragend verköstigt hat.

15. August 2020: Letzte Vorbereitungen

Das Wichtigste bei einem Urlaub zu Fuß sind sicherlich die Schuhe. Meine Trekkingschuhe sind zum Glück nicht neu, sondern vor vier Jahren mit mir bereits auf dem Benediktweg in Umbrien und Latium gewandert. Trotzdem habe ich Blasenpflaster im Gepäck, denn je nach Wetter, Socken oder Steigung können selbst die bequemsten Schuhe mal drücken.

Und noch etwas kenne ich von meiner Pilgerreise vor vier Jahren: je weniger Gepäck, umso aufwändiger ist das Packen. Vier Wochen mit Rucksack am Rücken – da will jedes Gramm gut überlegt sein. Also habe ich Zahnpasta, Duschgel, Mückenspray, Sonnencreme etc. entweder selbst in kleine Behälter abgefüllt oder als Mini-Ausgabe gekauft. Der Hit ist allerdings die Tastatur mit der ich das hier schreibe: eine Blutooth-Tastatur zum Zusammenklappen, gerade mal 200g leicht, die mir das mühsame Tippen am Handy erspart.

Problematisch wird die Bekleidung, denn innerhalb eines Monats muss ich wohl mit allen Wetter-Variationen rechnen. Aber Hauptsache, der Bikini ist dabei, denn ab und zu mal zum Baden gehen, das muss einfach möglich sein :-).

Für die Übernachtungen habe ich mir noch einen neuen Schlafsack geleistet: relativ klein und nur 930g Gewicht. Auch wenn ich nicht im Freien übernachte – die eigene Decke ist mir am liebsten.

Morgen wird dann alles gepackt und notfalls wieder teilweise ausgepackt 🙂 – dann gehts am Montag früh los. Um 7:14 nehme ich die S-Bahn ab Dürrnhaar und erreiche gegen Mittag Flossenbürg in der Oberpfalz an der tschechischen Grenze. Von dort melde ich mich dann wieder.

Herzliche Grüße, Eure Christine